“Die Achse der Autokraten” von Anne APPLEBAUM

Bewertung: 4.5 von 5.

Dieses preisgekrönte politische Sachbuch ist eine Fundgrube für Menschen, die es ein bisschen genauer wissen wollen.

Die bekannte US-Historikerin und Journalistin (mit polnischen Wurzeln) hat sich in diesem Werk der “autokratischen Internationalen” gewidmet. In einer – von nachprüfbaren Fakten getragenen – Übersicht analysiert und dokumentarisiert sie ein riesiges Netzwerk von finanziellen, wirtschaftlichen, militärischen, politischen und propagandistischen Kooperationen zwischen Demokratie-Feinden überall auf unserem Globus.

APPLEBAUM macht dabei wiederholt deutlich, dass sie nicht von einem “Verschwörungs-Szenario” einer festgefügten Front ausgeht – auch wenn das das Bild von der “Achse” vielleicht nahelegen könnte. Sie differenziert sehr sorgfältig zwischen den unterschiedlichen Motiv- und Interessenslagen von Ländern wie Venezuela, Simbabwe, Kuba, Russland, China, Nordkorea, Saudi-Arabien, Iran, den Golfstaaten, usw.
Die Autorin sieht die Gemeinsamkeit dieser und anderer Autokratien weniger darin, wofür sie eintreten, sondern wogegen sie sich unterstützen und verbünden: Gegner sind die freiheitlichen Demokratien und ihre – für die eigene Macht – bedrohlichen Prinzipien und Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, unabhängige Justizsysteme und die echte Chance für demokratischen Wechsel.

Die Autorin malt keineswegs das Ideal-Bild eines moralisch überlegenen “freien Westens”; vielmehr deckt sie jede Menge Kumpanei mit den Demokratiefeinden auf. An zahlreichen Beispielen macht sie deutlich, dass die systematische Ausplünderung des eigenen Landes und der eigenen Bevölkerung ohne die willfährige Unterstützung westlicher Finanz-und Wirtschaftsstrukturen gar nicht möglich wäre.
Ein Merkmal der Autokratien wird einem beim Lesen dieses Buches nämlich von Seite zu Seite immer bewusster: Es handelt sich durchweg um Kleptokratien, deren ideologische Ausrichtung oft nur die ablenkende Rahmenerzählung für die Selbstbereicherung der herrschenden Eliten darstellt.

APPLEBAUM unterstreicht, dass sich die Demokratiefeinde sich hinsichtlich des Einsatzes offener Gewalt sicher unterscheiden; auch gibt es verschiedene Ansätze, Reste eines demokratischen Alibi-Mäntelchens zu bewahren. In einem sind sich die Autokraten-Systeme aber einig: Es geht um die Beherrschung der Kommunikationskanäle im eigenen Land und um eine möglichst wirksame Einflussnahme auf die internationale Öffentlichkeit.
Auch hier liegen seit Jahren entsprechende Nachweise vor – was aber bisher nicht dazu geführt hat, die systematische Propaganda zu neutralisieren. Stattdessen entstehen in den demokratischen Ländern sogar neue Allianzen – auch hier auf der Grundlage eines gemeinsamen Feindbildes (einer liberal-fortschrittlichen, gerechten, global-orientierten und nachhaltigen Gesellschaft).

Auch gegenüber diesem Buch und seiner Autorin gibt es bereits politische Kampagnen, die ganz offensichtlich zum Ziel haben, durch Verunglimpfung der Person von den – unbestreitbaren – Inhalten abzulenken. So wird es sicherlich gelingen, Menschen vom Lesen dieses Buches dadurch abzuhalten, dass man auf die “einseitige” (z.B. “Russland-feindliche” oder “Amerika-freundliche”) Haltung der Autorin verweist.
Irgendwann stellt sich dann die Frage, ob man über bestimmte Fakten überhaupt noch diskutieren will, wenn doch die Einordnung des Verkünders schon alles in Frage stellen kann.
Genau dann wären die Manipulationsversuche der autokratischen Machthaber schon erfolgreich: Sie könnten ungestört schalten und walten – denn es reicht ja, die Kritiker einfach in die passende Ecke zu stellen – egal wie gut ihre Recherchen und Beweise sind.
Dass auch ein Trump so agiert, wird von der vermeintlich USA-freundlichen Autorin keineswegs verschwiegen.

Wer seine Meinung noch an gut aufbereiteten Tatsachen ausrichten möchte, ist mit diesem Buch jedenfalls bestens bedient. Und das ist sicherlich nicht davon abhängig, ob man jeder einzelnen Äußerung der Autorin in vollem Umfang zustimmt.

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“Biotopia” von Sascha REH

Bewertung: 3 von 5.

Der Historiker, Philosoph und Germanist REH hat ein Zukunftsszenario verfasst, in der sich in einer digitalen Dystopie Familienbande unlösbar mit einem inhumanen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem verstricken.

Es beginnt in scheinbar noch teilweise geordneten Verhältnissen: Zwar hat sich in Berlin-Tempelhof ein US-Konzern einen abgeschotteten Lebensmittel-Konzern nach eigenen Gesetzen geschaffen – aber es gibt ja noch einen Senat mit (theoretischen) Befugnissen und Kontrollfunktionen.
Die Protagonistin Malu bekommt am Ende einer mittleren Bürokraten-Karriere den Auftrag, offensichtliche Unregelmäßigkeiten in der der fremden Welt zu untersuchen. Schnell wird klar, dass sie damit angesichts der wahren Machtverhältnisse und dem Konflikt zwischen gleich mehreren internationalen Playern nur scheitern kann.

Entscheidend verkompliziert wird die Angelegenheit durch die mehr als schwierige Familiensituation von Malu: Der Sohn Konrad wird eines sexuellen Übergriffes bezichtigt, die seit Jahren “verlorene” Tochter Golda mischt ganz offensichtlich in dem ominösen Biotopia-System an führender Stelle mit.

Als wenn das nicht alles schon spektakulär genug wäre, ist die gesamte Gesellschaft unter der Kontrolle des allwissenden und allmächtigen Supercomputers “Watson”. Das nicht weniger durchsetzungsfähige Gegenstück bei Biotopia wird “Mutter” genannt.

Was dann seinen Lauf nimmt, ist eine Mischung von Familiendrama, industriellem Gangstertum, Orwellschem Überwachungsstaat und alternativ-kämpferischer Rebellenromantik. Malu, ihre Ex-Partner und ihre Kinder sind irgendwie immer beteiligt.
Die Form und Intensität der Auseinandersetzung mit den technisch hochgerüsteten und menschenverachtenden Feinden nimmt immer skurrilere Züge an, denen eine nachvollziehbare Logik kaum mehr abzugewinnen ist.
Irgendwie löst sich alles auf…

Natürlich spricht nichts dagegen, mithilfe von dystopischen Zukunftsszenarien auf drohende Gefahren einer nachdemokratischen KI-Diktatur hinzuweisen. Es ist auch durchaus anregend, am Beispiel der hochtechnisierten “Vertikalen Stadtfarm” den möglichen Missbrauch von und Verrat an ursprünglich von Idealismus getragenen neuen Wirtschaftsmodellen durchzuspielen.
Fraglich ist allerdings, ob dies alles in diesem irritierenden Ausmaß von privaten Konflikten und kommerziellen Machtspielen durchdrungen und überlagert werden muss. Es wirkt alles ziemlich überfrachtet; es ist von allem einfach zu viel.
Vermutlich ist das vom Autor so gewollt und als Stilmittel ein Teil seiner Botschaft. Doch wenn er eine Mission hatte, so hat diese ziemlich sicher auch unter dem überbordenden Plot gelitten.

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“Solarstation” von Andreas ESCHBACH

Bewertung: 4 von 5.

Der Vielschreiber ESCHBACH hat sich 2013 in den erdnahen Weltraum begeben und für seinen spannungsreichen Plot eine international besetzte Raumstation in 400 km Höhe gewählt. Der wissenschaftliche Hintergrund betrifft diesmal die Energieversorgung der Erde: Riesige Solar-Folien sammeln nämlich das Sonnenlicht ein und ermöglichen mithilfe eines Mikrowellen-Strahls die Übertragung auf entsprechende Empfangsanlagen.

Nach einer ersten menschlichen (sozialen) und technischen Orientierung ist die Leserschaft vorbereitet, sich der eigentlichen Handlung zuzuwenden: Es findet tatsächlich – erstmals in der Weltraumgeschichte – ein bewaffneter Überfall auf eine Orbital-Station statt.
Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Die Handlung wird aus der Perspektive eines Protagonisten erzählt, der zunächst nur eine Art Nebenrolle in dem Wissenschaftler-Team zu spielen scheint. Diese Wertigkeit wird sich allerdings bald sehr radikal verändern…

Man muss es dem Autor lassen: Diese Story ist wirklich echt spannend! ESCHBACH holt aus der Konstellation mit einer nahezu grenzenlosen Akribie und Fantasie so ziemlich alles heraus, was sich Thriller-Fans so wünschen könnten. ESCHBACH hat ganz offensichtlich viel Zeit und Recherche darauf verwandt, dem Schauplatz und deren Bedingungen – insbesondere natürlich die Schwerelosigkeit – gerecht zu werden. Damit ergeben sich einzigartige Konstellationen und Optionen, die der Autor weidlich ausnutzt.

Auch ein echter Show-Down wird geboten: Hier zieht ESCHBACH wirklich alle Register – so als wollte er zeigen, was er alles drauf hat. Weniger Thriller-affine Leser/innen könnten hier an ihre Toleranzgrenzen stoßen – aber man kann ja mal Fünfe gerade sein lassen, wenn es für einen guten Zweck ist…

In diesem Roman hat der Autor der Spannung die Priorität über inhaltliche Botschaften bzw. Informationen zugestanden. Wenn man das Ziel akzeptiert, wird man bestens bedient.

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“Earth For All” von The Club of Rome & Wuppertal Institut

Bewertung: 3.5 von 5.

Das Autorenteam macht sich hochqualifiziert und hochengagiert an die Aufgabe, die großen internationalen Nachhaltigkeitsziele möglichst konkret auf die deutschen Rahmenbedingungen anzuwenden. In die Entwicklung der beiden exemplarischen Szenarien (“weiter so” bzw. “mutige Veränderungen”) fließen haufenweise Daten und fundierte Prognosemodelle ein.
Die – differenziert dargestellten – Ergebnisse werden eine vorinformierte Leserschaft kaum überraschen: Es macht (immer noch) einen großen Unterschied, ob wir konsequent handeln oder nicht – aber die Zeit läuft ab.

Ein besonderes Augenmerk legen die Autoren/Autorinnen auf die Verbindung von ökologischen und sozialen Veränderungsprozessen: Ohne eine Einbettung in die Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen lassen sich die notwendigen Transformationsschritte weder rechtfertigen noch faktisch umsetzen.

Der Stil der Darstellung ist darauf ausgelegt, nicht nur Fakten und Hintergründe zu vermitteln, sondern soll auch überzeugen und motivieren. Es entsteht insgesamt eine Atmosphäre der Eindringlichkeit und des Handlungsdrucks.
Das ist inhaltlich gut nachzuvollziehen, kann aber auf längst überzeugte Leser/innen ein wenig ermüdend und zu pädagogisch wirken.

Auch angesichts seiner Qualitäten – Aktualität, Faktensicherheit und Breite der Perspektiven – muss sich diese Publikation letztlich an dem Bedarf des Zielpublikums messen lassen. Wer bereits gut mit der Thematik vertraut ist, sollte hier keine grundlegenden bzw. weitreichenden Erkenntnisgewinne erwarten.


“Gefühle der Zukunft” von Eva WEBER-GUSKAR

Bewertung: 4.5 von 5.

Die KI-Revolution ist in den letzten ca. zwei Jahren ein solch umfassendes Mega-Thema geworden, dass es naheliegt, auch im Sachbuchbereich thematische Schwerpunkte zu bilden. Genau das tut die Philosophin WEBER-GUSKAR mit dieser vielversprechenden Publikation.

Verfolgt man – z.B. in den einschlägigen YouTube-Accounts – den Wettbewerb der großen und mittleren Player im Bereich der KI-Sprachmodelle, der Bild- und Videogenerierung und der Büro-Assistenzsysteme (“Agenten”), wird einem angesichts der wöchentlichen Neuerungen geradezu schwindelig. Parallel dazu läuft das Rennen um die Vorherrschaft auf dem Gebiet der Robotik mit ähnlicher Intensität, aber mit deutlich geringerer Breitenwirkung.
Im Vergleich dazu spielen sich die Entwicklungen in den Feldern, die hier “emotionale KI” genannt werden, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Zwar wurde die emotionale Beziehungsmöglichkeit zwischen Mensch und KI in einigen Filmen thematisiert und vereinzelt tauchten Beispiele einzelner “verliebter” Programmierer auf – aber die reale Forschungsarbeit im Bereich der Gefühlserkennung oder Gefühlssimulation wird eher in Insiderkreisen (Sicherheitsdienste, Werbung) diskutiert.
Das ist um so erstaunlicher, als das die KI-Beziehungs-App “Replika” schon seit 2017 auf dem Markt ist und im Jahr 2024 von mehr als 30 Millionen Menschen genutzt wird (und zwar schwerpunktmäßig von erwachsenen Personen beiderlei Geschlechts).
Mit dem Buch von WEBER-GUSKAR ist die Zeit der Verborgenheit jedenfalls vorbei.

Wir bekommen von der Autorin eine systematische, gut strukturierte und didaktisch vorbildlich aufbereitete Einführung in die Thematik. WEBER-GUSKAR gliedert den Bereich in drei Fragestellungen:
– Wie weit ist die KI-Technologie der Gefühlserkennung fortgeschritten?
(Die Grenzen liegen in der Feinanalyse und den meist fehlenden Kontexten für eine tatsächliche qualitative Zuordnung von Gefühlsinhalten).
– Welche Entwicklungen gibt es bei der Simulation von Gefühlszuständen in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine?
(Das “Vorspielen” von gefühlsmäßiger Beteiligung funktioniert erstaunlich gut und kann zu problematischen Ergebnissen führen).
– Wie sind die zukünftigen Möglichkeiten einzuschätzen, dass KI-Systeme selbst Gefühlszustände entwickeln könnten?
(So wie Bewusstsein in KI-Systemen langfristig nicht ausgeschlossen werden kann, muss auch die Möglichkeit von Empfindungs- und Leidensfähigkeit mitgedacht werden).

Die Autorin führt ihre Leserschaft in aller Ruhe und mit ausreichender begleitender Orientierung durch die spannende – für manche möglicherweise sogar unheimliche – Landschaft. Sie unterscheidet sehr klar zwischen der informativen Darstellung des Forschungs- bzw. Anwendungsstandes, der Einschätzung der tatsächlichen Leistungen bzw. Funktionen und einer kritischen Bewertung von individuellen und gesellschaftlichen Folgen der jeweiligen Technologie.

Geleitet wir die Autorin durch Maßstäbe, die sie als Philosophin aus dem eigenen Fachbereich (z.B. der Ethik oder der politischen Philosophie) mitbringt. WEBER-GUSKAR ist aber auch mit psychologischen Befunden und Konzepten sehr gut vertraut.
Sie zeigt sich prinzipiell offen auch gegenüber den kontrovers diskutierten Fragestellungen (KI-Systeme in der Pflege; KI-Beziehungspartner), ist aber weit entfernt von einer naiven Technikbegeisterung. Menschliche Bedürfnisse stehen bei ihr immer im Zentrum.

Die Stärke dieses Buches liegt genau in dieser Differenzierung, in dem Abwägen von Chancen und Risiken, und zwar bemerkenswert konkret und nachvollziehbar.
So beantwortet sie die Frage nach der Sinnhaftigkeit bzw. der Gefährlichkeit digitaler “Ersatz-Beziehungspartner” ebenfalls sehr abgewogen: Problematisch wird ihrer Einschätzung nach eine solche Beziehung (z.B. in der erwähnten App “Replika”) dann, wenn sich die virtuelle (eher spielerische) Ebene mit der Realitätsebene zu vermischen beginnt und der Mensch “in echt” davon ausgeht, in einer wirklichen Beziehung zu sein.

Möglicherweise könnte für manche Leser/innen die Strukturierung des Textes ein wenig überzogen wirken. Das Buch ist eben keine locker-flockige journalistische Lektüre, sondern ein seriöses Sachbuch auf dem Weg zum Fachbuch.
Als gut lesbarer und allgemeinverständlicher Einstieg in die Thematik der “emotionalen KI” ist diese Publikation kaum zu toppen.

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“Systemsturz” von Kohei SAITO

Bewertung: 2.5 von 5.

Dieses Buch könnte ein wichtiger Beitrag zum politischen Diskurs sein: Es entlarvt die Schwächen der Idee vom “grünen Kapitalismus” (der immer noch viel zu viele Ressourcen verbrauchen würde) und zeigt eine Alternative auf, die sich von der heiligen Kuh des Wirtschaftswachstums befreit und auch traditionelle Konzepte integriert, die von einem Allgemeineigentum an grundsätzlichen Ressourcen ausgehen. Er nennt sein Konzept “Degrowth-Kommunismus”.
Das ist alles zwar ziemlich radikal (und ein wenig utopisch) – aber durchaus stichhaltig und überzeugend (wenn man die ökologische Krise unseres Planenten wirklich ernst nimmt). Sich mit Post-Wachstums-Modellen intensiver zu befassen, wäre also ein Gebot der Stunde.

Das Problem mit diesem Buch liegt woanders: Es wurde ganz offensichtlich für Menschen geschrieben, deren Weltbild auf dem Marxismus fußt. Das führt dazu, dass der japanische Philosoph SAITO einen großen Teil seiner Ausführungen auf den Nachweis verwendet, dass der “späte Marx” (nach Veröffentlichung des “Kapitals”) von einigen seiner Grundpositionen abgerückt sei und sich – tatsächlich auch aus ökologischen Erwägungen – eben einem Kommunismus ohne Orientierung an weiterem Wirtschaftswachstum zugewandt habe.

Umgekehrt bedeutet das leider: Für eine Leserschaft, denen der Grad der Vereinbarkeit von ökologischen Zukunftskonzepten mit dem Denken von Karl Marx völlig nebensächlich erscheint, wird das Lesen von SAITOs Buch über weite Strecken zu einer echten Zumutung.
Das ist auch deshalb so eindeutig, weil der – aufgrund der vielen gestelzten (neo-)marxistischen Begrifflichkeiten (“Produktivismus”, “Konsumismus”, usw.) – sowieso schon hölzern wirkende Schreibstil auch noch extreme Redundanzen aufweist.

Der “Systemsturz” ist mit Sicherheit für Marxismus-Seminare eine große Bereicherung und wird vermutlich auch deshalb in entsprechenden akademischen Kreisen weltweit Beachtung finden.
Wem es schlichtweg um die ökologische Transformation unserer Lebens- und Wirtschaftsweise geht, sollte sich mit einem kurzen Blick auf die Kernthesen begnügen bzw. die Post-Wachstums- und Gemeinwohl-Ideen aus anderen Quellen schöpfen.

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“Wir. Tagebuch des Untergangs” von Dmitry GLUKHOVSKY

Bewertung: 4 von 5.

Es ist ein umfangreiches politisches Tagebuch, das der russische Bestseller-Autor hier vorlegt. Aus den letzten ca. 10 Jahren stammen die Statements (Blogbeiträge, Essays), die sich jeweils auf aktuelle politische Ereignisse in Putins Russland beziehen.
Der Autor wertet die Original-Texte dadurch auf, dass er sowohl den zeitgeschichtlichen Kontext ausführlich erläutert, als auch eine Bewertung aus der aktuellen Perspektive (Sommer 2024) beifügt. So ist sichergestellt, dass alle Ausführungen auch ohne genaues historisches Detailwissen nachvollziehbar sind.

In diesem Buch geht es permanent zur Sache: Hier wird nicht über Bande kommuniziert, hier werden keine Gleichnisse aufgemacht oder Bilder benutzt. GLUKHOVSKY betätigt sich als politischer Kommentator, immer direkt am Thema, faktenbasiert, angriffslustig, parteilich.
Was seinen Beiträgen auszeichnet: Der Autor bringt seine – aus seinen literarischen Werken bekannte und geschätzte – Sprachkunst und Sprachgewalt unüberhörbar auch in diese Texte ein. Er formuliert eindeutig, intensiv, ohne Rücksicht auf irgendwelche diplomatischen oder taktischen Gepflogenheiten. er spricht von “Kleptokratie”, von “Gangsterbande”, von “faschistoiden Methoden”.

GLUKHOVSKY prangert auf der einen Seite Putin und seine Machtclique an, nimmt aber auch immer wieder sein Volk ins Visier: Er sieht zwar die Mechanismen der Propaganda, der Lügen und der systematischen Verdummung durch die Staatsmedien – gleichzeitig beklagt er aber auch die Gleichgültigkeit und die Verführbarkeit. Verständnis hat er für die Ängste: Es gibt schon lange keinen Spielraum mehr für abweichende Meinungen.

Das Buch endet mit dem Tod von Nawalny. Für den Autor ist dieser wohl bekannteste Oppositionelle der letzten Jahren ein Vorbild und ein Held – jemand, der Putin durch die Kraft seiner Persönlichkeit hätte gefährlich werden können.
GLUKHOVSKY selbst lebt im Exil. Seine öffentlichen Äußerungen machen ihn zu einem Outlaw, dieses Buch sicher noch stärker als jemals zuvor.

Wer eine starke, unverfälschte und kämpferische Stimme der russischen Opposition hören möchte, bekommt das in diesem Buch geliefert. Nicht erwarten kann man abwägende Differenzierungen: Die Gegner sind klar identifiziert; sie werden als menschenverachtend und kompromisslos machtgeil und korrupt vorgeführt.
Wer sich die Entwicklung der letzten 10 Jahre aus dieser Perspektive noch einmal vorführen lassen will, ist mit diesem Buch bestens bedient. Wer eine distanzierte journalistische Analyse sucht, sollte woanders zugreifen.

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“Im Zeitalter der Identität” von Yascha Mounk

Bewertung: 3.5 von 5.

Der deutsch-amerikanische Politikwissenschaftler MOUNK seziert in diesem Buch akribisch das Phänomen “Identitätspolitik”, von ihm meist “Identitätssynthese” genannt.
Dabei betrachtet er zunächst die philosophischen (Postmoderne, u.a. Foucault), politischen (Postkolonialismus) und rassentheoretischen (Critical Race Theory) Wurzeln dieser inzwischen einflussreichen Perspektive.

MOUNK schildert dann faktenreich und detailliert, wie aus einer ursprünglich aufklärerischen und emanzipatorisch Idee mit dem Ziel “Anti-Diskriminierung” in den letzten ca. 20 Jahren eine in weiten Teilen geradezu toxische Doktrin geworden ist, die – so der Autor – einem realen gesellschaftlichen Fortschritt im Wege steht.

MOUNK setzt er dem Primat der Gruppen-Identitäten – meist bezogen auf Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Gender – das Prinzip des Universalismus (also das Ziel der Gleichheit und Gleichbehandlung) entgegen. Er hält es für einen prinzipiellen Fehler, im Kampf gegen Benachteiligungen bestimmter Gruppen genau diese Gruppen-Identitäten zum Ausgangspunkt von Selbstermächtigung, politischer Aktivitäten und kompensatorischen Maßnahmen zu machen. An zahlreichen Beispielen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen (Bildung, Gesundheitsversorgung, politische Teilhabe) untermauert der Autor seine Analyse und weist auf der Basis konkreter Daten nach, dass die Fixierung auf die Identität kontraproduktive Effekte hat. Das betrifft z.B. auch so unerwartete Bereiche wie die Prioritäten bei der Impfung gegen COVID in den USA.

Einen besonderes Augenmerk richtet MOUNK auf die Meinungs- und Redefreiheit: Er ist überzeugt davon, dass eine Gesellschaft eher auch schwer zu ertragende öffentliche Äußerungen in Kauf nehmen sollte, als freie Meinungsäußerungen einzuschränken oder gar zu sanktionieren. Dabei weist er auch auf Nebeneffekte von politischer und privater Zensur hin, die nicht sofort ins Auge springen.

Der Autor hat eine schnörkellose Sprache, argumentiert klar und schlüssig, hat ein gutes Gespür für Didaktik und journalistisch-orientierte Vermittlung.
Allerdings gibt es einen Bereich, in dem MOUNK ganz eindeutig über das Ziel hinausschießt: Ausgehend von der Option, die einzelnen Kapitel des Buches auch separat lesbar zu machen, entwickelt sich der – sowieso recht redundante – Stil des Autors zu einer regelrechten Wiederholungs-Kaskade, die an der Grenze der Erträglichkeit kratzt. Spätestens, wenn am Ende eines Kapitels die – sowieso sehr klar vermittelten – wenigen Grundgedanken nochmals zusammengefasst werden, fragt man sich ernsthaft, ob der Autor seine Leserschaft für begriffsstutzig oder dement hält.

Trotzdem: Wer den Hintergründen und Tücken der Identitätspolitik mal wirklich auf den Grund gehen möchte, wird in diesem Buch bestens versorgt. Die dort vollzogene Argumentation hat durchaus das Potential, nicht nur Menschen zu überzeugen, die diesem Thema unentschieden oder schon skeptisch gegenüberstehen. Da sich der Autor selbst einer eher progressiven, linksorientierten Szene zuordnet, könnten seine Ausführungen auch diejenigen erreichen, die sich durch die Ziele der Identitätspolitik weltanschaulich angesprochen fühlen. Dass man bzgl. einer radikalen Meinungsfreiheit auch gute Gründe für eine andere Positionierung haben könnte, spielt bei der Gesamtbewertung der Ausführungen keine wesentliche Rolle.
Das Lesen dieses Buches hinterlässt mit großer Sicherheit eine informierte und aufgeklärte Leserschaft. Wer allerdings eher fokussierte Ausführungen sucht, wird vermutlich gelegentlich daran denken, dass man die Kernthesen des Buches auch problemlos in einem fünf- oder zehnseitigen Artikel hätte darstellen können.
Aber das trifft sicherlich auch auf viele Sachbücher zu…

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“Die Kunst zu leben” von Frank TALLIS

Bewertung: 3.5 von 5.

Diesem Buch kann man sich am besten dadurch nähern, dass man darstellt, was es nicht ist: Der Psychotherapeut TALLIS hat keines der inzwischen viele Regalmeter füllenden Selbsthilfe-Ratgeber geschrieben, in denen man – oft gut strukturiert und didaktisch veredelt- konkrete Strategien gegen verschiedenste Probleme oder psychische Störungen angeboten bekommt. TALLIS bietet keine leicht verdauliche Gliederung und keinen Werkzeugkoffer oder gar ein Trainingsprogramm. Es gibt keine Selbstbefragungen und keine Listen zum Abhaken. Punkte kann man auch keine sammeln.
Vor allem gibt es keine Heilsversprechen mit Gelingens-Garantie!

TALLIN geht die Sache anders an.
Es offeriert einen sehr persönlichen Blick auf die “Lebensweisheiten” der Psychologie und geleitet seine Leserschaft eher erzählend als systematisierend durch das gewundene Landschaftsbild psychotherapeutischer Ideen und Konzepte. Wobei sich die hier angedeutete Unklarheit, ob es sich eher um “große” Psychologen oder Psychotherapeuten handelt, durch das gesamte Buch zieht. Der Schwerpunkt liegt jedenfalls eindeutig auf der Psychotherapie.
Der eher literarisch orientierte Stil wird auch durch eine Art Rahmenbetrachtung hervorgehoben, in der einige bekannte Bilder von Edward Hopper hinsichtlich ihrer Symbolkraft für die behandelten Themen interpretiert werden.

Der Autor gliedert den Text in eine Reihe von übergreifenden “Meta-Themen” (z.B. “Sicherheit”, “Bedürfnisse”, “Unglück”, “Sinn”, “Akzeptanz”, “Narzissmus”) und macht dadurch deutlich, dass es ihm weniger um Störungsbilder oder gar Methoden geht, sondern um allgemein menschliche Grundthemen. Die von TALLIN für die jeweilige Thematik als relevant empfundenen Psychologen/Therapeuten werden in die Kapiteln integriert.

Die Inhaltliche Ausrichtung des Buches ist stark dadurch geprägt, dass der Autor im Laufe seiner Berufslaufbahn letztlich seinen Platz bei der Psychoanalyse gefunden hat. Nur so ist es zu erklären, dass diese – historisch ohne Zweifel bedeutsame – Denkrichtung nicht nur besonders gründlich dargestellt wird, sondern dass die Konzepte von Freud und seiner Mitstreiter praktisch bei allen Betrachtungen als eine Art Basis fungieren.
Auch hier zeigt sich der thematische Schwerpunkt: Es geht TALLIS um existenzielle Grundfragen, sein Denken und Argumentieren ist eher philosophisch orientiert als wissenschaftlich-methodisch. Zwar macht der Autor an verschiedenen Stellen deutlich, dass ihm Bereiche wie die Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie oder die aktuelle Verhaltenstherapie vertraut sind, die Diskussion des Ödipus-Komplexes oder der unbewussten Triebkräfte fasziniert ihn offensichtlich mehr. Zwar wird die Kognitive Verhaltenstherapie als wesentliche Therapieschule mehrfach genannt; ihre eigentliche Darstellung findet allerdings vergleichsweise oberflächlich statt. Für ziemlich exzentrische Vertreter analytischer Konzepte hat TALLIS dagegen ein großes Herz.

Ohne Zweifel werden in diesem Buch eine Menge relevanter Themen behandelt, die etwas mit “Lebenskunst” und “Lebenslast” zu tun haben. Das wird insbesondere Menschen interessieren und nützen, die sich gerade oder dauerhaft an den existentiellen Herausforderungen des Lebens reiben. Für sie kann es sicherlich hilfreich sein, von einem erfahrenen Begleiter durch die Welt der psychologischen und psychotherapeutischen Konzepte geführt zu werden. Es ist informativ und anregend, beispielsweise von der Bindungstheorie Bowlbys, der Logotherapie Frankls, den Konzepten Fromms und den Ideen der Granden der Psychoanalyse (Freud, Jung, Reich, Adler) zu erfahren.
Doch lässt TALLIS die Menschen, die konkretere Hilfen suchen, hinsichtlich der Umsetzung von Erkenntnissen auf ihr Alltagsleben ziemlich allein. Über die gedanklichen Anregungen geht dieses Buch nur selten hinaus.
Wer handfestere Lebenshilfe sucht, findet allerdings ganz sicher eine Menge brauchbarer Alternativen – die dann möglicherweise nicht den philosophischen Tiefgang eines TALLIS haben.

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“Die Abschaffung des Todes” von Andreas ESCHBACH

Bewertung: 4 von 5.

Wenn man sich gerade mit den Zukunftsvisionen von KI beschäftigt und dazu die aktuellen Bücher von HARARI und KURZWEIL gelesen hat, kommt ESCHBACHs aktueller Roman wie gerufen – ist er doch eine direkte Übertragung der Pläne zu “Gehirn-Upload” und “Anti-Aging-Forschung” ins Fiktionale. Gerade in dieser Kombination ist man sich als Leser der Tatsache bewusst, dass die z.T. absurd futuristisch erscheinenden Perspektiven der “Abschaffung des Todes” keineswegs überspannte Science-Fiction-Fantasie darstellen, sondern konkrete wissenschaftliche Ziele beschreiben, in die aktuell Milliarden investiert wird.

Erzählt wird der Plot aus Sicht eines besonderen Journalisten: James Windover vertreibt mit seinem Recherche-Team von Amsterdam aus eine tägliche globale Analyse aller Ereignisse, Daten und Trends für eine ausgewählte kleine Gruppe von superreichen Wirtschaftsbossen und Entscheidern.
Ein Sonderauftrag reißt ihn aus seiner einträglichen Routine: Eine seiner besten Kundinnen schickt ihn in die USA, wo eine Firma Wagniskapital für eine spektakuläre neuro-digitale Innovation einsammeln will. Es geht um die nächste Stufe der KI-Revolution, an dessen Ende so etwas wie das “ewige Leben” locken könnte.
James soll die Geschäftsidee prüfen und so letztlich über die Investition von mehreren Milliarden Euro entscheiden. Ein ganz schöner Stress…

Wenn sich auch der weit aufgefächerte Handlungsfaden durch das ganze Buch (immerhin 650 S.) zieht, kann man doch grob eine Zweiteilung vornehmen: Während in der ersten Texthälfte viel Mühe und Raum darauf verwandt wird, sowohl die neurologischen und technologischen Grundlagen, als auch die philosophischen bzw. ethischen Implikationen der Lebensverlängerung durch Gehirn-Digitalisierung darzustellen, gewinnt im zweiten Teil der Thriller-Anteil zunehmend an Bedeutung. Je nach Interessenlage der Lesenden kann das als Verlust oder Gewinn interpretiert werden.

Unzweifelhaft hat ESCHBACH viel Zeit in die Recherche gesteckt. Seine in verschiedene Vorträge und Dialoge verpackten Informationseinheiten spiegeln erfreulich faktenreich den aktuellen Stand technologischer Möglichkeiten und kommerzieller Visionen. Hier kann man tatsächlich diesen Roman als eine Art Kurz-Fortbildung benutzen, die bis an die vorderste Forschungs-Front reicht.
Doch der Autor begnügt sich nicht mit der Wissensvermittlung: Mit einer erstaunlichen Reflexionstiefe wendet sich ESCHBACH der Frage zu, in wieweit mögliche (und wohl auch wahrscheinliche) technische Übergänge zwischen biologischen und digitalen Gehirnen tatsächlich das Ziel erreichen können, auch das persönliche Ich-Bewusstsein zu übertragen und damit zu erhalten.
Damit das alles nicht wie eine trockene Vorlesung rüberkommt, konstruiert der Autor eine zweite Handlungsebene, in der es um die Ausschaltung eines zweifelnden Störenfriedes geht, der die Investitionskampagne gefährden könnte. Da wird dann mit harten Bandagen gekämpft.
So schwankt dann die Story am Ende zwischen Digital- bzw. Nanotechnik, Neuropsychologie und Moralphilosophie auf der einen und einigen typischen 08/15-Verfolgungsjagden auf der anderen Seite. Es soll ja auch ein Thriller sein…

Hinsichtlich einer grundlegenden Antwort auf die – nicht nur kommerziell bedeutsamen – entscheidende Frage (nach dem Bewusstsein) versucht der Autor, so etwas wie einen zweiten (inhaltlichen) Spannungsbogen aufzubauen. Hier verzettelt sich ESCHBACH allerdings, indem er die vermeintliche Lösung künstlich extrem in die Länge zieht.
Auch wenn die Lösung dann nicht so eindeutig ausfällt – es wird jedenfalls deutlich, wo ESCHBACH in dieser Sache steht.

Insgesamt liefert ESCHBACH ein respektables Werk ab, mit dessen Hilfe eine interessierte Leserschaft recht nah an die (realen) technischen Grenzen und kontroversen Themen der Neurotechnologie herangeführt werden. Und das, ohne ein Sach- oder Fachbuch zu lesen!
Tolle Sache – wenn man sich an den eher durchschnittlichen Spannungselementen nicht stört.

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