
Bas KAST hat sich 2018 mit seinem Überraschungserfolg (“Der Ernährungskompass“) verdienter Weise einen Namen gemacht. Beim nächsten Kompass (“Kompass für die Seele“) hat er etwas geschwächelt – meiner bescheidenen Meinung nach.
Jetzt ist der nächste große Wurf da: Es geht diesmal um Vitamine und viele andere Nahrungsergänzungsmittel, und damit um ein absolutes Trend-Thema für gleich mehrere Communities: die Gesundheitsoptimierer, die Fans der Langlebigkeits-Bewegung und die Freunde der schönen bzw. muskulären Körper.
KAST macht keine halben Sachen: Er gliedert seine Betrachtungen nach Alter und Geschlecht, behandelt nach und nach die zentralen Bereiche des Körpers und der Gesundheit. Die die Lifestyle-Seite (z.B. “Longevity” und Muskelaufbau) wird natürlich auch betrachtet.
Dass auch dieses Buch ein Renner wird, wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln.
Wobei: Eigentlich haben sich ja die Zeiten stark verändert – und zwar zuungunsten eines solchen Sachbuchs. Was vor wenigen Jahren noch umständliche Internet-Recherchen notwendig gemacht hätte, wäre jetzt mit einem “Deep-Research” einer der großen Chatbots wesentlich bequemer und ergiebiger zu haben. Es wäre kein Problem, sich für die jeweils interessanten “Supplements” Forschungsbefunde und Einschätzungen zusammentragen zu lassen; man könnte solche Anfragen sogar auf die individuellen Voraussetzungen hin ausrichten.
Warum also noch so ein “altmodisches ” Buch kaufen?
Die Antwort: KAST liefert einen realen Mehrwert!
Man merkt diesem Werk schnell an, dass sich Autor mal wieder so richtig hineingefuchst hat – in ein Themengebiet, das unübersichtlich, hochumstritten und heftig umworben ist. Der Autor hat dabei einen besonderen Stil entwickelt:
– Er führt in den jeweilig betrachteten Aspekt so gründlich ein, dass man zwischendurch immer wieder das Gefühl bekommt, ein komplettes Gesundheitslehrbuch in der Hand (oder auf dem Schirm) zu haben. Man erfährt z.B. wie das Auge funktioniert, wie die Haut aufgebaut ist oder was den Unterschied zwischen Muskelmasse und Kraft ausmacht.
– Dann schildert KAST zunächst das öffentliche Image und die Geschichte des jeweils betrachteten Wirkstoffs.
– Jetzt wird es kompliziert: Der Autor geht ins eingemachte. Er betrachtet einzelne Untersuchungen und ihre Ergebnisse – nicht ohne die Rahmenbedingen und die methodische Güte zu erwähnen. Dabei treten fast immer Widersprüche zwischen den Befunden zutage, die KAST natürlich auch einordnet.
– Wo immer die Datenlage es zulässt, geht der Autor auch auf Risiken und Nebenwirkungen der Präparate ein, wobei auch Bezug auf die Bedeutung von individuellen Voraussetzungen (Alter, Geschlecht, Erkrankungen) genommen wird.
– Zuletzt nimmt der Autor eine Gesamtbewertung vor, in der nicht nur eine Nutzen/Risiko-Abwägung stattfindet, sondern auch sehr genau geklärt wird, ob und wie der jeweilige Stoff dem Körper auch durch die “normale” Ernährung zugeführt werden könnte.
Um es kurz zu sagen: Bas KAST ist sehr gründlich! Und er ist mit konkreten Empfehlungen erfreulich zurückhaltend; im Zweifelsfall bremst er euphorische Erwartungen und verweist auf die noch nicht ausreichende Datenlage.
Wenn man sich in diesem Themenbereich und in dieser Szene nicht auskennt, ist man spätestens dann völlig überwältigt, wenn man bei dem (sehr informativen) Glossar angekommen ist. Hier werden auch Stoffe besprochen, die es nicht in den Hauptteil des Textes geschafft haben. Als “Otto Normalverbraucher” hat man die meisten dieser – z.T. exotischen – Bezeichnungen noch nie gehört.
Es wird deutlich: Nahrungsmittel-Ergänzungen sind zu einem internationalen Multi-Milliarden-Markt geworden. Neben – mehr oder weniger seriösen – Herstellern tummelt sich eine unübersichtliche Influencer-Szene, die immer wieder mal einen neuen HYPE befeuern.
Auf dem Hintergrund dieser Entwicklung kommt einem – geradezu altmodisch-akribischen und seriösen – Sachbuch ein besonderer Verdienst zu: Das Interesse des Publikums wird ernst genommen und bedient – Bewertungen werden aber auf einer empirisch-verantwortungsvollen Grundlage vorgenommen. Und – was noch lobenswerter ist – das Supplement steht immer in der zweiten Reihe: Zuerst wird geschaut, ob nicht eine vernünftige Ernährung die bessere und kostengünstige Alternative sein kann.
Nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass dieses Buch den Trend zu immer ausgefalleneren Mittelchen auch ein wenig antreibt. Der eine oder die andere kommt vielleicht durch das Lesen doch auf die Idee, etwas auszuprobieren.
In der Gesamtabwägung scheint mir aber die Aufklärung und die Seriosität der Empfehlungen klar zu überwiegen.
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