20.01.2023 Neue Klima-Koalition?

Ein geschickter Schachzug:
Wie der SPIEGEL heute meldet, bietet der CDU-Politiker Jung unserem Vizekanzler Habeck Unterstützung in der Verkehrspolitik an. Er macht sich dabei den Konflikt um die Verzögerungspolitik (um es nicht Sabotage zu nennen) des FDP-Verkehrsminister Wissing zunutze und schlägt eine ganze Reihe von ökologisch-sinnvollen Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emmisionen insbesondere beim Autoverkehr vor.
Das kann man ja erstmal begrüßen!

Zu vermuten ist allerdings, dass nicht nur reines Umwelt-Engagement dahinter steckt.
Einmal könnte so eine Schützenhilfe von der Seite den inneren Ampel-Konflikt natürlich noch befeuern und nach außen zusätzlich sichtbar machen.
Zum anderen könnte man in diesem Vorstoß einen dezenten Wink in Richtung Zukunft sehen: Vielleicht lohnt sich ja für die GRÜNEN demnächst die Überlegung, ob sie ihre Klimaziele eher mit der Union als in der Ampel-Konstellation verwirklichen können…

Mir wäre das alles recht – wenn es nur die FDP unter Druck setzen würde, sich endlich aus der Verweigerungsecke herauszubewegen. Es muss u.a. endlich (finanziell) bestraft werden, besonders große bzw. umweltschädliche Autos zu fahren. Noch immer setzt die deutsche Autoindustrie auf überdimensionierte und übermotorisierte Dinosaurier-Fahrzeuge (leider auch im Elektro-Bereich).

(Zu weiteren Tages-Gedanken)

19.01.2023 Streikland Frankreich

Bild von Andrea auf Pixabay

Die Franzosen sind für ihre Widerstandskraft bekannt. Insbesondere für soziale Errungenschaften bzw. deren Bedrohung gehen sie gerne, oft und hartnäckig auf die Straße. Vor einigen Jahren haben die sog. “Gelbwesten-Proteste” das Land an die Grenzen seiner Regierbarkeit gebracht – obwohl der Anlass einen sinnvollen ökologischen Kern hatte.

Die Frage ist nur: Ist grundsätzlich jede Korrektur traditioneller Regelungen automatisch ein Ausdruck eines heimtückischen, von Profitinteressen motivierten Sozialabbaus? Ist ein Präsident, der – wie im aktuellen Fall – die Rentengesetzgebung an den demografischen Wandel und die europäischen Maßstäbe anpassen will, damit zwangsläufig ein “Präsident der Reichen”?

Ich wünsche mir durchaus eine aufgeklärte und demokratisch aktive Bevölkerung, die auch für eigene Interessen zu kämpfen bereit ist. Was ich nicht mag, ist ein reflexhaftes Reagieren wie auf Knopfdruck. Manchmal gehört es zu einem verantwortlichen Regierungshandeln eben dazu, Probleme auf eine Art zu lösen, die bei einzelnen Gruppen auch zum Verlust von liebgewordenen Wohltaten oder Privilegien führt. Gelegentlich erfordern andere Zeiten bzw. andere Umstände eben auch andere Entscheidungen.
Im Kampf gegen den Klimawandel wird da noch einiges auf uns alle zukommen.

Ich finde, mit diesem Gedanken sollten sich auch die kämpferischen Franzosen gelegentlich mal vertraut machen.

(Zu weiteren Tages-Gedanken)

18.01.2023 CO2-Trickserei

Bild von Pixource auf Pixabay

Die morgige ZEIT-Ausgabe titelt: “Der Klima-Betrug”. In einer offenbar aufwendig recherchierten Analyse wird aufgedeckt, dass die CO2-Zertifikate, durch die Firmen ihre eigenen Emissionen kompensieren können, in einem beträchtlichen Umfang eine Mogelpackung darstellen. In der Berechnung und Zertifizierung der Projekte (meist geht es um die Bestandssicherung von Wäldern) kommt es wohl häufig zu unrealistischen Angaben. Das bedeutet, dass die behauptete Klima-Neutralität oft faktisch nicht erreicht wird.

Ich stelle mir die Frage, wie diese Nachricht wohl auf die jungen Klima-Aktivisten wirkt, denen man gerade vermitteln möchte, doch bitte zukünftig wieder mehr Geduld, Kompromissbereitschaft und Respekt vor dem Rechtsstaat aufzubringen.
Wäre es nicht verständlich, wenn solche halbseidenen Tricksereien (um es vorsichtig auszudrücken) Wasser auf die Mühlen derjenigen wären, die nicht mehr an demokratische Lösungen glauben und den Weg in eine Radikalisierung für alternativlos betrachten?

Ich habe mich sogar kurz bei dem Gedanken erwischt, dass solche Informationen besser nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollten – damit nicht alle wohlmeinenden Bemühungen in Pauschalverdacht geraten. Aber das kann natürlich nicht die Lösung sein…

Also muss es darum gehen, das System zu verbessern und alle Optionen zu nutzen; auch den Handel mit CO2-Zertifikaten.


“Liebe” von Lone FRANK

Bewertung: 4.5 von 5.

Wenn am Tag nach dem Erscheinen eines Buches eine Rezension gepostet wird, dann sagt das sowohl etwas über den Verfasser (hat Zeit, ist interessiert und motiviert), als auch über die Publikation aus: Was macht also dieses Buch so anregend, informativ oder bewegend, dass ich davon nicht lassen konnte?

Die dänische Neurobiologin und Wissenschaftsjournalistin Lone FRANK hat ein “persönliches Sachbuch” geschrieben. Dabei stellen die privaten Voraussetzungen und Fragestellungen deutlich mehr als eine Rahmenhandlung für Sachinformationen dar: Die Autorin verwebt ihre Biografie geradezu mit den fachlichen Inhalten und stellt ihren individuellen Erkenntnisprozess als einen integralen Bestandteil der Sachbotschaft dar.
Geschaffen wird so ein Geflecht von Erkenntnissen und Bezügen, in denen es keiner Fallbeispiele mehr bedarf. Die Autorin stellt sich selbst als solches zur Verfügung – was den Vorteil hat, dass sich Zusammenhänge im Längsschnitt einer ganzen Biografie zeigen lassen.
Das geradezu monumentale Thema “Liebe” wird durch die Privatheit des Zugangs auch verfügbar gemacht: Statt der systematischen Gliederung eines Fachbuchs folgen wir der Autorin auf ihrem eigenen Weg durch das Labyrinth dieses “Höchsten der Gefühle” – schauen ihr dabei zu, wie sich Perspektiven und Aspekte zusammensetzen und mit eigenen Erfahrungen verschmelzen.

FRANK hat den (ebenfalls biografisch unterfütterten) Anspruch, sich dem Thema “Liebe” wissenschaftlich zu nähern. Sie führt Gespräche mit Fachleuten, zitiert zahlreiche Autoren/Autorinnen, stellt Forschungsergebnisse dar und lässt sich auch bei ihrer Selbsterkundung fachlich begleiten.
Berührt werden alle erdenklichen Zugänge: evolutionäre, genetische, hirnphysiologische, hormonelle, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische, historische, kulturelle, mediale usw.
Auch thematisch ist der Blick weit gefasst: Angefangen von der Brutpflege bei (bestimmten) Säugetieren, über Eltern/Kind-Liebe, Bindung, Verliebtheit, Spielarten längerfristiger Beziehungen, Eifersucht, Polyamorie, Freundschafts-Liebe, Tierliebe, digitale Partnersuche – bis zur aktuellen Einsamkeits-Problematik.
Der – vielleicht etwas ungewöhnlich intensive – Blick auf Trauer um eine verlorene Liebe erklärt sich durch die persönliche Ausgangslage der Autorin: Für sie war der Verlust eines geliebten Partners der Startpunkt für ihre Reise durch das Liebes-Land.

FRANK lässt nicht nur ihren Erkenntnisprozess und die damit verwobene Selbstreflexion recht frei fließen, sie dokumentiert das auch in der (Nicht-)Gliederung ihres Textes. Das Buch kommt ohne Kapitel- oder Zwischenüberschriften aus und hat entsprechend auch kein Inhaltsverzeichnis. Der Sachbuchcharakter beweist sich dann an anderer Stelle: durch ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Wie der breitgefächerte Zugang erwarten lässt: Natürlich steht auch am Ende dieses Buches keine “Antwort” – weder darauf, was genau die Liebe ausmacht, noch auf die Frage nach der persönlichen Liebesfähigkeit (und deren Grundlagen). Das Gebiet ist komplex und unübersichtlich, aber es lassen sich Schneisen schlagen und manchmal erreicht man einen Aussichtspunkt, der ein wenig Überblick ermöglicht. Auch hier passt dann die vielzitierte Weisheit: “Der Weg ist das Ziel”.

Positiv ist zu bewerten, dass FRANK immer wieder darauf aufmerksam macht, dass man seine Liebes-Persönlichkeit eben nicht selbst basteln und frei wählen kann. Gerade die Vielfältigkeit und Komplexität der Einflussfaktoren sollte daher zu einer gewissen Bescheidenheit bzgl. der Selbstoptimierung führen. Überhaupt warnt die Autorin eher vor dem Druck, der von verfestigten Bildern und Normen ausgeht (z.B. hinsichtlich des Verliebtheits-Rausches als zwingend notwendiger Anfangsphase).
Auf der anderen Seite sieht FRANK aber keinen Grund zum Fatalismus: Da das Zusammenspiel von Biografie, Gefühlsprägungen, kognitiven Einstellungsmustern und konkretem Verhalten so verschachtelt ist, können eben auch gewisse “Umprogrammierungen” stattfinden (indem man durch ein anderes Denken oder Verhalten auch Gefühle beeinflusst).

Wenn auch das Buch für ein “vorgebildetes” Publikum nur wenige inhaltliche Neuigkeiten bereithält, so gehen doch einige der Überlegungen zu aktuellen gesellschaftlichen Trends deutlich über ein etabliertes Fachbuchwissen hinaus. Zusätzlich laden die persönlichen Anmerkungen und Bewertungen der Autorin immer wieder zu Reflexion oder Diskussion ein.
Für Menschen, denen z.B. die Feinheiten der Bindungstheorie, die hormonellen Grundlagen von Verliebtheit/Liebe und die Aspekte bzw. Methoden der Liebes-Forschung bisher nicht vertraut waren, erhalten eine wirklich fundierte Einführung in dieses Forschungsfeld.
An einigen Stellen mag man vielleicht doch mal eine Systematik vermissen oder die privaten Einstellungen der Autorin für weniger bedeutsam halten.

Insgesamt ein tolles und extrem anregendes Buch – das gerade durch seinen subjektiven Zugang ein buntes Kaleidoskop an Perspektiven und Betrachtungen enthält und damit für jede/n Liebes-Neugierige/n etwas zu bieten hat.

17.01.2023 Man kann es nicht richtig machen…

Von Daniel Biskup – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85529860

Man stelle sich ein Parallel-Universum vor, in dem Scholz sich für eine neue weibliche Verteidigungsministerin entschieden hätte.
Egal, wer es geworden wäre: Die Dame hätte unter dem Generalverdacht gestanden, in erster Linie wegen des Geschlechter-Proporzes ausgewählt worden zu sein. Es hätte wütende Kommentare gegeben, dass der Ampel die Gender-Korrektheit wieder mal wichtiger als die Fachkompetenz gewesen wäre.
Man kann sich all das lebhaft vorstellen…

Jetzt darf die versammelte Medienwelt auf die andere Seite springen: Scholz habe sich als unzuverlässig und wankelmütig erwiesen und gebe das hehre Ziel der Parität bei erster (zweiter) Gelegenheit einfach mal so nebenher auf.

Ich würde in dem Parallel-Universum besonders gerne mal prüfen, in wie vielen Fällen es dann die gleichen Personen wären, die genau die andere Entscheidung ebenfalls kritisieren würden…

(Zu weiteren Tages-Gedanken)


16.01.2023 Avatar: Eine Modell-Gesellschaft?

Es wird viel gesprochen und geschrieben über den neuen Super-Blockbuster AVATAR II. Ein Teil dieser Diskussion bezieht sich nicht auf die wirtschaftlichen oder technischen Extreme dieses 3-Stunden-Epos, sondern auf die Hoffnungen und Ideale, die von der so perfekten Darstellung einer “besseren” Welt ausgehen (bzw. ausgehen könnten).

In einer film-typischen Zuspitzung zeichnet der Film den Kampf zwischen einer weitgehend friedlichen und im offensichtlichen Einklang mit der berauschend-schönen Natur lebenden Spezies und den brutal-ausbeuterischen Eindringlingen von dem zerschundenen Planet Erde. Während die rücksichtslosen Macho-Kolonialisten mit entsprechend bullig-martialischem Kampfgerät vorrücken, sind die Indigenen mit organisch-lebendigen Flug- und Schwimmgenossen unterwegs.
Die Fronten und die Moral scheinen mehr als eindeutig zu sein.

Der Film verwendet durchaus einige Zeit darauf, einen Einblick in das Alltagsleben der Pandora-Bewohner zu geben. Es wird deutlich, dass die Naturverbundenheit sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche bezieht und auf eine technologische Ausbeutung von Ressourcen nicht zu den Zielen dieser Lebensform gehört.

Um so unverständlicher erscheint es, das es den Filmemachern nicht gelingt, sich hinsichtlich der – natürlich übermäßig langen – Kampfhandlungen von den sattsam bekannten Mustern und Klischees zu befreien. Wie in jedem beliebigen Action-Film gibt es viel Getöse, Geballere und Faustkämpfe zwischen den Protagonisten.
Zunehmend geht dabei der Unterschied zwischen den beiden Parteien verloren: Auch die “Guten” benutzen irgendwann die gleichen Baller-Waffen – Hauptsache es geht so richtig ab!

Nun könnte man einwenden, dass es schließlich um das Zurückschlagen eines technologisch weit überlegenen Aggressors geht.
Aber: Es ist es wirklich zu viel verlangt, wenn man erhofft oder erwartet, dass ein Teil der so üppig sprießenden Fantasie darauf verwandt wird, eine ganz andere Form der Verteidigung zu erfinden? Hätte nicht genau das eine wirklich bewegende Botschaft sein können? Wäre nicht eine kulturell stimmige Form eines intelligenten, aber “gewaltlosen” Widerstandes eine echte Zukunftsvision gewesen?

Mir scheint, dass durch diese letztlich weitgehend “gewöhnliche” Action-Kampf-Szenerie die Chance auf einen tatsächlichen alternativen Denkanstoß vertan wurde.

(Zu weiteren Tages-Gedanken)


15.01.2023 Vape – das neue Rauchen

Jugendliche rauchen wieder deutlich mehr. Das ist keine gute Nachricht!
Was rauchen sie? In steigendem Umfang sogenannte Vapes (Einweg-E-Zigaretten). Diese offenbar hypen bunten Röhrchen bestehen aus Plastik, einer Flüssigkeit (mit oder ohne Nikotin) und einem kleinen elektronischen Bauteil. Nach dem Verdampfen der Flüssigkeit entsteht ein äußerst problematischer Müll (eigentlich Elektro-Schrott).
Über Inhaltsstoffe, Wirkung und Nebenwirkungen wird bereits viel gestritten; klar ist, dass es einen großen “grauen” Markt gibt, in dem keinerlei Kontrollen stattfinden.

Brauchen wir solche Produkte? Muss eine “freie” Gesellschaft mit einem kapitalistischen Wirtschaftssystem hinnehmen, dass so etwas auf den Markt kommt – und sich dann ein entsprechender “Bedarf” bildet – angeheizt durch bestimmte Influencer in den Social-Media-Kanälen? Ist das wirklich unsere Vorstellung von “Freiheit”, dass gesundheitlich und ökologisch extrem bedenkliche Konsumartikel neue Trends setzen können?

Es gibt jede Menge Bedarf, unseren Freiheitsbegriff in einer Welt voller ökologischer Krisen neu zu definieren bzw. auszuhandeln: das betrifft den Verkehr, die Ernährung, das Wohnen, den Ressourcenverbrauch – und ganz offenbar auch das Rauchen…

(Zu weiteren Tages-Gedanken)


14.01.2023 Künstliche Intelligenz

Bild von Seanbatty auf Pixabay

Seit einigen Wochen mehren sich die Artikel über ein offenbar extrem leistungsfähiges Textsystem (ChatGPT), das – inzwischen frei zugänglich – Texte erstellen kann, die oft erst auf den zweiten oder dritten Blick (bzw. durch Fachleute) als elektronisch erzeugt zu erkennen sind. Dazu reicht es, dem Chatbot-Programm ein paar wenige (oder auch sehr spezielle) Vorgaben zu machen, um dann z.B. ein Gedicht im Stil von Shakespeare zu einem selbstgewählten Thema zu erhalten.
Die Journalisten/Journalistinnen, die das ausprobiert haben, waren wohl alle sehr beeindruckt. Schon gibt es eine Reihe von kritischen und warnenden Stimmen, die Missbrauch bzw. das baldige Ende ganzer Berufsgruppen vorhersehen. Auch Schulen und Ausbildungsinstitute machen sich Sorgen, weil auch aufwendige Haus- und Examensarbeiten (zumindest in der Rohform) innerhalb von Sekunden generiert werden können.

Auf diese aktuellen KI-Welle setzt die neue ZEIT-Titelgeschichte noch eine ziemliche Portion drauf: Hier geht es um ein Dialog-Programm (LaMDA), das so “authentisch” und gefühlvoll auf Fragen reagiert und so faszinierende Selbstauskünfte erteilt, dass ein Google-Mitarbeiter überzeugt davon ist, es hier mit einem echten Bewusstsein und echten Emotionen zu tun zu haben. Inzwischen befindet er sich in einer Art Krieg mit seinem früheren Arbeitgeber, weil er sich für die Persönlichkeits-Rechte diese KI-Systems engagiert.

Mir geht es hier weniger um die philosophische, technische, psychologische und neurowissenschaftliche Frage, ob (bzw. ab wann) man bei intelligenten Maschinen auch von einem Bewusstsein ausgehen kann (oder irgendwann muss).
Viel wichtiger erscheint mir, in welchem offensichtlich rasenden Tempo sich unsere tägliche Umwelt weiterentwickeln und dramatisch verändern wird. Die Dynamik dieser Prozesse scheint im Moment geradezu zu explodieren. Es kann sehr gut sein, dass wir schon in wenigen Jahren (manche sprechen sogar von Monaten) über Anwendungen verfügen werden, die bisher nur aus Science-Fiction Stories bekannt sind:
Wir werden zu allen erdenklichen Themen (fast) perfekt formulierte Texte erstellen können, die aufgrund ihrer “Individualität” nicht mehr als Plagiate zu erkennen sind. Wir werden schon sehr bald auf unsere Anfragen in Suchmaschinen (zumindest bei Google) perfekt formulierte und differenzierte Antwort-Texte erhalten (statt ellenlanger Link-Listen). Wir werden (insbesondere) im Internet konfrontiert sein mit einem Wust an Aussagen und
Texten, deren Entstehen und deren Glaubwürdigkeit kaum nachzuvollziehen ist.

Ich bin sicher, dass wir uns schon in ein bis zwei Jahren wundern werden, wie schnell wir mal wieder in einer “neuen” Welt leben – und wir werden daran zurückdenken, wie “gemütlich” im Vergleich doch die Entwicklung von PCs, Internet, Handys, Smartphones, Facebook und WhatsApp waren…

(Zu weiteren Tages-Gedanken)


“Das Glücksbüro” von Andreas IZQIERDO

Bewertung: 1 von 5.

Sorry – ich habe abgebrochen! Das passiert mir nicht oft.

Es ist nicht meine Art von Humor, den der Autor diesem eher ruhigen und bedächtigen Roman auffährt. In einer Art Milieustudie beschreibt er das extrem eingeschränkte Leben eines Bürokraten, der sich so extrem mit seiner (offensichtlich weitgehend sinnlosen) Arbeit identifiziert, dass er sich im Keller seines Amtsgebäudes sogar häuslich eingerichtet hat und auf ein Privatleben ganz verzichtet.

Sein heile Welt der täglichen Routine (in Form der Abarbeitung von Formularen) wird durch einen mysteriösen Antrag erschüttert, für den es ganz offenbar keine passende Vorschrift gibt. Seine verzweifelte Suche nach einer bürokratisch befriedigenden Lösung öffnet schrittweise den Zugang zu dem (bisher vermiedenen) realen Leben, in dem es – überraschender Weise – auch eine interessante Frau gibt.

Mein Problem: Das Ganze wird so platt, übertrieben und klischeehaft dargestellt, dass bei mir schnell – und leider auch zunehmend – gähnende Langeweile entstand.
Was als menschliche Marotte oder als Allegorie auf die Bürokratisierung unseres Lebens vielleicht Sinn oder Vergnügen gemacht hätte, wird in einem solchen Umfang ausgewalzt, dass jedes Lesevergnügen auf der Strecke blieb.
Und wenn man nur noch auf das Ende wartet (damit es endlich vorbei ist) – dann sollte man besser aufhören…

13.01.2023 GRÜNE Spaltung?

Image: Wikipedia

Der spektakulär inszenierte Protest gegen die Räumung des Mini-Dorfes Lützerath bedeutet für die GRÜNEN zweifellos eine Belastung – stehen doch Mitglieder bzw. Funktionsträger der Partei auf beiden Seiten der Barrikaden.

Sich auf Realpolitik einzulassen, Kompromisse auszuhandeln und juristische Entscheidungen dann auch gegen Widerstand durchzusetzen, ist für eine ursprüngliche Protestpartei alles andere als gemütlich. Aber man kann nicht beides haben: Entweder ist man ein Teil des Systems (um dieses so weit wie demokratisch möglich zu verändern) oder man reduziert sich auf den außerparlamentarischen Druck.
Das gilt für die Partei als Ganzes – aber natürlich nicht für das einzelne Mitglied, das sich durchaus in die Proteste einreihen kann.

Aus dieser konflikthaften Widersprüchlichkeit von GRÜNEN Klimaaktivisten jetzt aber das Risiko oder gar die Notwendigkeit einer zweiten, radikaleren Umweltpartei ableiten zu wollen, halte ich für grundfalsch und gefährlich. Diese Spaltung würde die parlamentarische Vertretung der ökologischen Bewegung mit großer Sicherheit schwächen. Die inneren Reibungsverluste und Auseinandersetzungen würde funktionierende Strukturen und Abläufe zerstören und Energie binden, die dringend auf dem politischen Parkett gebraucht werden. Das Gewicht der GRÜNEN in der Ampel würde stark darunter leiden – und damit insbesondere den Einfluss der FDP stärken.

Also: Lassen wir uns nicht in eine Spaltungsdiskussion hineinreden oder -schreiben! Dahinter stehen höchstwahrscheinlich keine lauteren Motive.

(Zu weiteren Tages-Gedanken)