Foto von Pixabay: https://www.pexels.com/de-de/foto/zeitrafferfotografie-von-blauen-lichtern-373543/
Im Bereich der KI (Künstliche Intelligenz) tobt seit einigen Wochen eine öffentliche Auseinandersetzungen zwischen den Tech-Riesen Microsoft und Google um die “Weltherrschaft” bei den neuen Textsystemen. Losgetreten wurde dieser Show-Down durch einen Vorstoß der Firma Open-AI, die im November 22 ihren “ChatGPT” öffentlich zugänglich machte. Ziemlich verrückt wird die Sache dadurch, dass die beiden Konzerne sich so verhalten, als ob es wirklich um den Vorsprung von ein paar Tagen ginge.
Wenn man sich klar macht, dass es hier um sehr grundsätzliche und weitreichende Innovationen geht, die unseren Umgang mit dem Internet (vor allem mit den Suchmaschinen) und die Produktion von Texten aller Art prinzipiell und dauerhaft verändern wird – dann wirkt die fast panische Angst vor dem “zweiten Platz” doch reichlich übertrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in diesem Zukunftsfeld nicht genug Platz für mehrere Anbieter und Konzepte geben wird.
Wie sehr das alles “überdreht” ist, zeigt auch die Reaktion der Börse auf einen kleinen Fehler bei der ersten Google-Bard-Vorführung: Plötzlich war das Unternehmen 900 Millionen Dollar weniger wert…
Wenn man diese Situation mit dem Aufkommen von Facebook und WhatsApp vergleicht, kann einem schon schwindelig werden: Wo soll diese Tempo-Steigerung mal enden?
Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113139283
Wie ratlos und verzweifelt muss eine Partei sein, wenn ihr als Markenkern nichts mehr anderes einfällt als die Verteidigung des Automobils – natürlich eingeframt als “Rettung der Wahlfreiheit”.
Versteht sich diese Partei eigentlich noch als Teil der “Fortschritts-Koalition”? Mit einem Verkehrsminister, der immer noch das 9-Euro-Ticket nennt, wenn man ihn nach seinen bisherigen Leistungen im Klimabereich anspricht?
Nach jeder Wahlniederlage wird die Blockierer-Mentalität noch ein bisschen nach oben geschraubt – offenbar ohne mal darüber nachzudenken, ob nicht gerade diese Haltung (z.B. beim Tempolimit) ein Teil des Problems ist.
Das alles nervt total – und zieht die ganze Ampel und ihre Projekte mit runter.
Das ist wohl an Absurdität kaum zu überbieten: Während die Suche nach noch lebenden Erdbebenopfern unter den gewaltigen Schutthaufen aufgegeben wurde und die Opferzahl vermutlich weit über 30 000 liegt, wird in Nordsyrien zwischen den kurdischen Kämpfern und der Türkischen Armee geschossen.
Foto von Sharefaith: https://www.pexels.com/de-de/foto/flagge-von-amerika-1202723/
In den USA toben die parteiinternen Kämpfe um die Kandidaten für die Präsidentschaft, die im Januar 2025 beginnen wird (nach einer Wahl im November 2024). Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine Art von Dauer-Fixierung immer schon auf die nächste Entscheidung der konkreten Arbeit und dem politischen System guttut. Es ist eher auch ein permanenter Medien-Hype.
Trostlos erscheint die Aussicht, dass tatsächlich zwei sehr alte Männer gegeneinander antreten könnten – also Biden gegen Trump. Es könnte wohl unmöglich das richtige Zeichen der westlichen Führungskraft an die Welt sein, dass hier der längst fällige Generationswechsel unterbliebe.
Auch dass man sich möglicherweise 1,5 Jahre an der erratischen Persönlichkeit von Trump abarbeiten und über die Fitness von Biden spekulieren könnte, wäre alles andere als die notwendige Konzentration auf die überbordenden Sachprobleme.
Vielleicht sollte man erstmal die laufende zweite Hälfte der Amtszeit nutzen. Es gibt genug zu tun.
Mit ihrem Buch über Alexander von Humboldt ist der Kunsthistorikerin WULF 2016 ein großer und erfolgreicher Wurf gelungen. Sie ist in ihrem Nachfolge-Werk der Epoche treu geblieben und hat sich mit den Denkern und Literaten an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert beschäftigt. Wobei die Formulierung “beschäftigt” eine geradezu groteske Untertreibung darstellt.
Die Autorin hat mit dieser Publikation einen Sachbuch-Stil zur Perfektion getrieben, der sich etwas so beschreiben ließe: “Tauche in eine historische Epoche und das Denken und Handeln ihrer Protagonisten so intensiv ein, dass nicht nur zeitgeschichtliche Zusammenhänge und kulturelle Bedeutungen plastisch werden, sondern ausgefeilte Persönlichkeitsprofile und privateste Beziehungsmuster zwischen den Beteiligten nachvollziehbar werden.”
Es geht schwerpunktmäßig um eine Gruppe von deutschen Geistesgrößen, die sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der recht überschaubaren Universitätsstadt Jena gelehrt, geforscht, geschrieben, diskutiert, geliebt und gestritten haben. Um die wichtigsten Namen einmal zu nennen (sie tauchen in dem Buch unzählige Male auf): Goethe, Schiller, Fichte, August Wilhelm, Friedrich und Caroline Schlegel, Schelling, Novalis, Hegel, Alexander und Wilhelm von Humboldt. Zusammengefasst wird ihr Denken und Schreiben unter dem Begriff (frühe) Romantik, als deren Markenzeichen die Betonung des subjektiven “Ichs” als zentrale Quelle für das Weltverständnis und die Weltbeschreibung angesehen wird. Dabei bilden die Ideen der Französischen Revolution bzw. deren politisch-militärischen Irrungen und Wirrungen die entscheidende zeit- und ideengeschichtliche Basis.
Zwar kann man sich ohne großen Aufwand aus zahllosen Quellen über die beteiligten Personen und ihr Schaffen informieren – bilden sie und ihre Zeit doch den harten Kern der deutschen kulturellen Identität. Doch das von WULF gezeichnete Bild ist schärfer, facettenreicher und vor allem bunter und lebendiger als übliche Darstellungsformen. Was ihr dabei besonders in die Hände spielt, ist die – oft geradezu zwanghaft anmutende – Neigung der Protagonisten, ihre Gedanken, Sehnsüchte und Handlungen in einer wahren Flut von Tagebuchnotizen und gegenseitigen Briefen zu verschriftlichen. Das Ganze bildete ein unglaublich intensives und dichtes kommunikatives Netzwerk, das selbst in Zeiten des Social-Media-Irrsinns absolut beeindruckend erscheint: So wurden gelegentlich in Krankheitsphasen zwischen Goethe und Schiller mehrfach täglich durch Boten Briefe ausgetauscht!
Überhaupt bildet die Beschreibung der Freundschaft zwischen den beiden ganz Großen einen Höhepunkt dieses Buches: Die anschauliche, alltagsnahe Schilderung ihrer Beziehungsgestaltung lässt die Menschen hinter den Kultur-Helden fassbar werden – wie es keinem Schulbuch oder Lexikon-Beitrag jemals gelingen könnte. Doch damit ist es nicht genug: Die literarischen und amourösen Beziehungsmuster zwischen den anderen Hauptdarstellern werden bis in die persönlichsten Winkel ausgeleuchtet. Da fehlt nicht mehr viel – und das Drehbuch für eine vielteilige Netflix-Drama-Serie ist steht!
WULF verliert die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge nicht aus den Augen: Wir erfahren jede Menge über die deutsche Kleinstaaterei, über die Bedeutung der jeweils zuständigen Fürsten für die Geistesfreiheit und über die Auswirkungen der Feldzüge Napoleons auf das praktische und kulturelle Leben.
Es ist die perfekt gelungene Verflechtung zwischen Philosophie, Literatur, Naturerforschung, Politik, Zeitgeschichte und Privatheit, mit der dieses Buch für die interessierte Leserschaft einen fast unerschöpflichen Fundus von Erkenntnissen und Anregungen schafft. Allerdings: Ein mehr als durchschnittliches Detail-Interesse an den dargestellten Einzel-Persönlichkeiten und ihren Verquickungen sollte man als Leser/in tatsächlich mitbringen. Manchmal treibt die Autorin die Analyse auch der feinsten Ausschläge im literarischen und erotischen Miteinander doch etwas auf die Spitze: Will und muss man das alles so genau wissen? So kann man durchaus an einigen Stellen ein wenig ungeduldig werden…
Insgesamt ist WULF dem selbst gesetzten Standard für besonders lebendige und detailverliebte Sachbücher zweifellos gerecht geworden. Sie hat ein fabelhaftes Buch über die “Fabelhaften Rebellen” geschrieben. Den Lesenden kann versprochen werden, dass sie sich dieser Epoche und deren Leitfiguren noch nie so nahe gefühlt haben.
Foto von RODNAE Productions: https://www.pexels.com/de-de/foto/holz-tisch-zimmer-kerzen-7978061/
Wie ich ZEIT-online entnehmen kann, gibt es in der Gamer-Welt einen erbitterten Streit darüber, ob man das – lang erwartete und offenbar extrem gut gelungene – Video-Spiel zur weltbekannten Fantasy-Reihe kaufen bzw. spielen “darf”. Dabei geht es nicht um die möglichen Folgen von magischen und mystischen Geschichten für unsere Gesellschaft. Nein – das Problem liegt viel tiefer!
Es geht schlichtweg darum, ob man mit seinem Gewissen (oder einer woken correctness) vereinbaren kann, dass die Schöpferin des Potter-Universums daran mitverdient (was sie natürlicherweise tut). Warum das schlimm ist? Vielleicht weil Rowling schon so unglaublich reich geworden ist?
Nochmal nein! Die Autorin hat es wiederholt gewagt, zur durchaus konfliktträchtigen Beziehung zwischen FeministInnen und Trans-AktivistInnen eine eigene Meinung zu äußern. Da diese nicht mit der Ideologie der Trans-Bewegung übereinstimmt, wurde sie per Experten-Beschluss als “transphob” überführt.
Nun sitzen offenbar junge Menschen mit zittrigen Fingern vor ihren hochgezüchteten Gaming-PCs und würden nichts lieber tun, als auf den berühmten Besen um das Zauberschloss Hogwarts zu sausen – und jetzt besteht doch tatsächlich die Gefahr, dass man sich mit dieser Entscheidung gegen die Transbewegung stellen könnte… Was für ein tragisches Dilemma!
Warum fühle ich mich manchmal fremd in diesem unserem Lande….?
Von President Of Ukraine from Україна – Europe has no right to react in silence to what is happening with our Mariupol – address by the President of Ukraine (flickr.com), CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116602856
Gerade in diesen Tagen erscheint es tatsächlich spektakulär, in welchem Ausmaß dieser Regierungschef die politische Agenda in ganz Europa bestimmt. In drei Tagen hat er London. Paris und Brüssel in Schauplätze für den Überlebenskampf seiner Ukraine gemacht. Seine Energie, sein Einsatz, seine Hoffnung scheinen erschöpflich zu sein. Gleichzeitig ist dieser Mensch – sicher auch auf der Basis seiner Medienerfahrung – ein extrem begabter Kommunikator, der seine Person zu einer Art Markenzeichen für die Unbeugsamkeit und den Freiheitswillen einer ganzen Nation gemacht hat – bis hin zu einem konsequent durchgehaltenem Outfit. Alles an Selenksky ist eine Botschaft!
Und doch ist zu wünschen, dass man diesen Präsidenten möglichst bald wieder in langweilig-genormter staatsmännischer Aufmachung zu sehen bekommt. Es wird ein langer Prozess und vermutlich die schwierigste Aufgabe für diese Symbolfigur sein (die so oder so in den Geschichtsbüchern landen wird): Kann er den Übergang vom Kampf in die irgendwann notwendige “Befriedung” managen? Hat er auch dafür die Kraft und die innere Ausstattung?
Wenn es nicht so unfassbar schrecklich, grausam und gefährlich wäre, könnte man es fast “spannend” finden, wie all das letztlich von statten gehen wird. Allerdings ist dieser “Spannungsbogen” manchmal fast unerträglich – weil ein guter und schneller Ausgang alles andere als gewiss ist. Es könnte auch für uns noch sehr viel schlimmer kommen…
Ob dabei diese großen Auftritte in den europäischen Metropolen eine Rolle spielen? Wer sollte das jetzt wissen?
Foto von Kony Xyzx: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-in-der-tarnjacke-die-auf-grunem-grasfeld-liegt-3706659/
Vielleicht wiederhole ich mich ja…
Gestern kamen in den Nachrichten zwei Meldungen direkt hintereinander. In der ersten wurde über das Anlaufen der internationalen Hilfsaktionen für die Erdbebenregion berichtet. Spezialisten und trainierte Hunde begeben sich in einen dramatischen Kampf gegen die Uhr – um möglichst noch ein paar wenige Überlebende aus den tonnenschweren Trümmern zu ziehen. Die Opferzahlen steigen stündlich – jedes noch gerettete Leben wird gefeiert.
Danach kam dann die Information, dass bei besonders schweren Kämpfen im Osten der Ukraine vermutlich insgesamt über 1000 Soldaten ums Leben gekommen sind (zuzüglich der Verletzten natürlich). Diese Menschen (die übrigens ähnlich leiden bzw. gelitten haben wie Erdbebenopfer) hätten nicht mit schwerem Gerät gerettet werden müssen – sie hätten einfach nur zu Hause bleiben können. Beispielsweise in Russland.
Foto von Niki Nagy: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-im-schwarzen-hoodie-reittrike-1128419/
“Schlimmer geht’s nimmer”! Der Wahlkampf der Wiederholungswahl in Berlin geht in die letzte Runde. Gegen zwei profilierte Frauen (ROT und GRÜN) kämpft sich jetzt ein besonders konservativer CDU-Mann in den Vordergrund. Eines seiner Hauptthemen: Etwas für die Autofahrer tun!
Nun gibt es in einer dichtbesiedelten Metropole wie Berlin kaum ein abwegigeres Ziel als das Umdrehen der Verkehrswende in Richtung Individualverkehr. Das soll das Zukunftskonzept für unsere Hauptstadt sein? Armselig!
Foto von Sanej Prasad Suwal: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-menschen-gebaude-kaputt-7806175/
So ein heftiges Erdbeben – wie heute in der Türkei und Nordsyrien – löst Bestürzung und Mitgefühl aus, bei vielen auch eine Bereitschaft, aktiv Solidarität zu zeigen.
Die Bilder der zerstörten Gebäude wecken Assoziationen mit den täglichen Nachrichten aus der Ukraine und werfen eine Frage auf: Ist es nicht ein Wahnsinn, dass uns Leid und Elend auf der einen Seite so anrühren, wir auf der anderen Seite immer noch nicht verhindern können, das ein ähnlicher Schrecken vor unseren Augen menschengemacht und gewollt stattfindet. Dabei brauchten wir doch alle Kräfte, um den unvermeidlichen Naturkatastrophen und dem selbst verursachten Klimawandel gerecht zu werden.