Bewusstseinserweiternde Substanzen sind neuerdings in aller Munde (Achtung Wortspiel). Längst geht es nicht mehr nur um Party-Drogen – sondern auch um “seriöse” spirituelle Erfahrungen und Anwendungen in Medizin und Psychotherapie (insbesondere in der Depressions-Behandlung). Angesagt sind z.B. Stoffe wie MDMA (Ecstasy), sog. “Zauberpilze”, Psilocybin, Ayahuasca (aus dem Regenwald) und das gute alte LSD.
Irgendwie schient der Rausch (oder vornehm: die Bewusstseinserweiterung) wieder angesagt zu sein – Jahrzehnte nach der Hippie-Kultur. Nur der Kontext hat sich verändert (bzw. erweitert). Als einen untrüglichen Hinweis darauf kann man auch das neue Buch des literarischen Shooting-Stars Bas KAST (“Ernährungskompass“) interpretiert werden, der in seinem “Kompass für die Seele” (Rezension folgt) den psychoaktiven Drogen einen erheblichen Stellenwert einräumt.
Vermutlich hilft die Diskussion um den therapeutischen Nutzen der Substanzen auch beim Abbau der Hemmschwelle für den spirituellen Anwendungsbereich: Man bewegt sich dann gleich in einer anderen Szene; die Berührungsängste schwinden. Natürlich ist es auch ein reizvolles Angebot: Statt mühsam meditative Praktiken erlernen zu müssen, bringt der Einwurf einer Kapsel neue Erfahrungen sozusagen auf Knopfdruck. Und Gründe, der Trostlosigkeit des Weltgeschehens und den Zukunftsängsten zu entfliehen, gibt es ja reichlich…
Vielleicht werden in naher Zukunft ja unsere drögen Alltagsgeschäfte vollständig durch unsere KI-Assistenten erledigt, während wir entspannt (oder erleuchtet) durch unser Leben “rauschen”.
Es ist in einer russischen Grenzregion zur Ukraine zu einem bewaffneten Zusammenstoß gekommen, für den angeblich “ukrainische Nationalisten” verantwortlich sind. Putin will jetzt den Sicherheitsrat anrufen – wegen Terrorismus auf seinem Gebiet.
Dieser Mann führt seit einem Jahr einen brutalen Krieg, der auf beiden Seiten wohl täglich hunderte Menschenleben kostet. Die Ukraine hätte jedes Recht der Welt, auch Ziele in Russland anzugreifen – tut das aber bisher fast gar nicht. Einmal legt der Westen großen Wert darauf, dass ihre Waffen nicht russisches Territorium erreichen. Aber auch der Außendarstellung der Ukraine dient es, wenn nur das eigene Gebiet verteidigt wird.
Den Schutz der internationalen Staatengemeinschaft einzufordern, weil der selbst gesuchte Kriegsgegner doch tatsächlich auf dem Gebiet des brutalen Aggressors agiert (wenn es denn stimmt), ist absolut grotesk.
Dieses Buch entfaltet eine bemerkenswerte Dynamik. Es rüttelt, schiebt, zieht und stößt – es will Menschen bewegen. HIELSCHER ist fest davon überzeugt, dass sie Wege aufzeigen kann, die Blockaden lösen und neue Optionen schaffen. Sie möchte, dass ihre Leser/innen davon nicht nur erfahren, sondern auch Gebrauch machen. Am besten sofort. Denn ein besseres Leben wartet…
Die zentrale Idee der Autorin ist, dass alle Menschen Einfluss auf bzw. Kontrolle über ihre Art zu denken gewinnen können – wenn sie es nur wollen und bereit sind, die notwendige “Umprogrammierung” durch diszipliniertes Üben zu leisten. Diese Möglichkeit basiert – so die Autorin – auf bestimmten Voraussetzungen unseres Gehirns bzw. unseres davon abhängigen psychischen Systems: Unsere Gedanken und Bewertungen beeinflussen in einem großen Ausmaß unsere Gefühle, wobei wir durch unser konkretes Handeln wiederum unser Denken und Fühlen verändern können. Die entscheidende Botschaft ist dabei: Unser Gehirn ist eben nicht “determiniert” durch Gene und frühe Erfahrungen, sondern bis ins hohe Alter lernfähig, flexibel und plastisch. Wir können demnach unser Gehirn selbst formen, können lernen, es mit selbstgewählten Inhalten zu füttern – statt es zufälligen und oft dysfunktionalen inneren und äußeren Botschaften zu überlassen.
Bei der Sammlung von Belegen und Beispielen für einen solchen Aufbruch in ein selbstbestimmteres Leben sammelt HIELSCHER alles ein, was nicht bei “3” auf den Bäumen ist: philosophische, spirituelle und religiöse Weisheiten, experimentelle Befunde aus der Hirnforschung, Methoden aus (kognitiver) Psychotherapie und Coaching, Yoga und Meditation; auch die Quantenphysik muss zu guter Letzt noch dran glauben (als ob ernsthaft der Doppelspalt-Versuch etwas über unsere neurologischen und psychischen Potentiale aussagen würde). Die bedeutsamste Erkenntnis-Quelle muss allerdings gesondert genannt werden: Die eigene Erfahrung!
Die Autorin gibt uns einen tiefen Einblick in die Lebenskrise, in die sie durch die unerwartete Trennung ihres Mannes (und Vaters von zwei Kindern) geraten war. Der durchlittene Zustand von Verzweiflung, Selbstabwertung und unbändiger Wut bildete den Nährboden für die Entscheidung, sich durch aktives Tun in einen lebenswerten, selbstbewussten und genussfähigen Aggregatzustand zu versetzen. HIELSCHER begann, einschlägige Sachbücher zu lesen und führte Gespräche mit Fachleuten aus den Bereichen Psychologie, Neurowissenschaft, Beratung, Coaching und Therapie. Der – offenbar tatsächlich bewundernswerte – Erfolg, den sie damit hatte, bildet die Basis für ihren geradezu grenzenlosen Optimismus – nach dem Motto: “Was ich geschafft habe, kann jede/r schaffen!” Denn schließlich gelten ja die zugrundliegenden Wirkfaktoren für alle Menschen gleichermaßen.
Der Schreibstil der Autorin hat das Zeug, die avisierte Zielgruppe nicht nur anzusprechen, sondern auch zu motivieren. Sie schreibt persönlich, lebendig, leger, locker, mitreißend, eindringlich. HIELSCHER gibt sich nicht als neutrale Expertin, sondern als Teil einer Community, der sie ihre Erfahrungen solidarisch zur Verfügung stellen möchte. Sie spricht eher ihren Bekanntenkreis an als ein irgendwie anonymes Publikum; natürlich duzt sie ihre Leser/innen. Es scheint ihr ein persönliches Anliegen zu sein, ihr Publikum ebenfalls zur Selbstbestimmung zu befähigen. Sie hat eine Mission! (Das ist übrigens besonders deutlich spürbar, wenn man das selbst-eingelesene Hörbuch konsumiert).
Um es mal vorsichtig auszudrücken: Insgesamt lernt man in dem Buch von HIELSCHER sicherlich mehr über die Möglichkeiten der Selbstbeeinflussung als über die Grenzen. Was den Text auf der einen Seite so anregend und überzeugend erscheinen lässt, gibt auf der anderen Seite auch Anlass für eine kritische Betrachtung. Die Autorin ist so begeistert und überzeugt von den Optionen, die die eigene Entwicklung ermöglicht haben, dass der Veränderungs-Optimismus immer mal wieder mit ihr durchgeht. So verliert sie das Gefühl dafür, dass eben nicht alle Menschen genau die Voraussetzungen und Ressourcen mitbringen, die ihr die Anwendung all der beschriebenen Methoden eröffneten. Ein Beispiel: HIELSCHER geht davon aus, dass man der Determiniertheit durch Prägungen und Vorerfahrungen entgehen könne, weil man sich ja entschließen könnte, ab sofort anders (positiver) zu denken (z.B. auch mit Hilfe von Meditation). Wenig Gedanken macht sie sich darüber, wodurch denn wohl die Bereitschaft und Fähigkeit “determiniert” ist, diese Wege auch (mit der notwendigen Disziplin) zu gehen . Leider stehen nicht jedem alle Optionen zur Verfügung, auch wenn die Mechanismen noch so gut wirken könnten. Aber – dies sei eingeräumt: Für einige könnte ja das Lesen dieses Buches der entscheidende Anstoß (Kipppunkt) sein, es doch mal zu probieren. Das wäre zweifellos ein guter Grund, ein solches Buch zu schreiben bzw. zu lesen.
Kommen wir zum Schluss auf den Titel des Buches zu sprechen: Er ist nicht gut gewählt, weil er die Inhalte des Textes nicht wirklich repräsentiert. Es geht im Buch zwar auch um Beziehungen und Liebe, aber nicht vordringlich. Das Thema ist eher Krisenbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung allgemein. Die Liebe kommt ins Spiel, weil HIELSCHER wegen ihres Liebeskummers an den Start gegangen ist und weil – natürlich – jede persönliche Weiterentwicklung auch der Liebes- und Beziehungsfähigkeit zugute kommt. So könnten tatsächlich diejenigen Leser/innen ent- oder getäuscht sein, die davon ausgingen, einen Beziehungsratgeber zu erwerben.
Diese ganze Wahlwiederholung und ihre Folgen sind unbefriedigend. Das Wahlergebnis wurde stark von den “Zufälligkeiten” der Silvester-Krawalle beeinflusst. Die Wahlkampf-Zuspitzungen des CDU-Kandidaten wurden leider belohnt.
Wenn man schon dem massiven Druck nachgibt und eine vorhandene links-grüne Mehrheit nicht nutzt, dann wäre aus meiner Sicht eine schwarz-grüne Koalition die spannendere und zukunftsträchtigere gewesen. Wenn jemand angewählt wurde – nach einer geradezu endlosen Regierungszeit – dann ja wohl die SPD.
So strahlt die GroKo-Lösung etwas Halbherziges, Mutloses aus.: Nur keine Experimente! Ich frage mich, ob dabei nicht auch bundespolitische Überlegungen eingeflossen sind: Wollte man vielleicht auf beiden Seiten (bei der CDU und SPD) verhindern, dass die GRÜNEN gestärkt aus der Situation hervorgehen (mit einer neuen Koalitions-Option)?
Ich finde es jedenfalls ein wenig ärgerlich. Und mal wieder steht der Umwelt- und Klimaaspekt nicht im Mittelpunkt…
Ja, ich finde es richtig, dass unser Landwirtschaftsminister Özdemir Einschränkungen für kinderspezifische Werbung plant. Eine Gesellschaft und ihre Regierung hat das Recht und die Pflicht, sich um den Gesundheitszustand der nachwachsenden Generation zu sorgen bzw. zu kümmern. Die wirtschaftlichen Interessen der Lebensmittelindustrie sind dagegen zweitrangig.
Wenn man sich als halbwegs aufgeklärter, vernunfts- und wissenschaftsaffiner Mensch so einem Buch zuwendet, tut man das vermutlich mit gemischten Gefühlen und Erwartungen: Was soll darin stehen, das einem nicht längst klar und bekannt ist? Lohnt sich das Lesen überhaupt? Ich möchte diese Frage mit einem nachdrücklichen “ja” beantworten!
Die beiden Autorinnen beackern das Feld der Esoterik mit einer bewundernswerten Gründlichkeit – die sowohl in die Breite (thematische Vielfalt), als auch in die Tiefe (Detailliertheit der Recherchen) betrifft. Aus diesem Buch wird wohl kaum jemand ohne neue Erkenntnisse wieder in die Realität, also in die Welt der Logik und der Empirie auftauchen. Zumindest wird man als Lesender mit einigen neuen Beispielen und Hintergründen versorgt – zwischendurch verschlägt es einem die Sprache.
Neben den Wunderheilern, der Homöopathie und den Sterndeutern geht es in diesem gut lesbaren Text auch um biodynamische Landwirtschaft, um Naturkulte und um diverse Sekten. Es geht um so ziemlich alles, was sich als wissenschaftsfeindlich, irrational und abergläubisch – aber auch als autoritätshörig zeigt.
Dass es bei der vermeintlich so sanften und ganzheitlichen Esoterik im Bereich der Gesundheit immer wieder mal auch um Leben und Tod geht, belegen eindrucksvolle Beispiele (insbesondere bei Krebspatienten). Ebenso wird herausgearbeitet, wie skandalös die völlig haltlose Zuschreibung einer “Selbstverschuldung” von Erkrankungen sind – die z.B. auf Verfehlungen in früheren Leben zurückgeführt werden.
Der entscheidende Mehrwert dieser Publikation ist dabei die Einordnung der Esoterik-Welle in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge. Die Autorinnen arbeiten in gut nachvollziehbarer und mit Fakten unterlegten Weise heraus, dass die Irrationalität dieses Weltbildes eben keine irgendwie amüsante oder kultige Privatsache ist. Die Distanzierung von einem faktenbasierten Zugang zu Erkenntnissen und die Ausbreitung irrationaler Parallelwelten gefährden nicht nur den gesellschaftlichen Konsens (“Worauf können wir uns einigen?), sondern schwächt auch die Voraussetzungen für die Bewältigung der großen Menschheitsaufgaben. Dass unter dem Mantel der “Harmonie mit der Natur” auch in großem Umfang dreist abgezockt wird, sollte nicht unerwähnt bleiben. Auch dafür legen die Autorinnen schockierende Beispiele vor.
Ein besonderes Augenmerk richten die beiden Autorinnen auf die (erheblichen) Schnittmengen zwischen der Esoterik-Szene und rechtsgerichteten Denkweisen und Milieus. Sie sprechen in diesem Zusammenhang von einer “braunen Esoterik”, in der sich völkisches Denken, Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungsgeschwurbel zu einer gefährlichen Mixtur zusammengebraut haben.
Es handelt sich um ein wahrhaft aufklärerisches Sachbuch, in dem die Autorinnen ganz eindeutig Partei ergreifen – für eine Welt, in der zwar Emotionen und Spiritualität ihren Platz haben, wo aber rationales und empirisches Denken bzw. Urteilen die Grundlagen für Welterkenntnis, medizinische Versorgung und globale Problemlösungen bilden.
Das Manifest und die Demo in Berlin könnten die Funktion haben, die Basis für eine neue Parteigründung zu erkunden. Viele Beobachter sehen Wagenknecht unmittelbar vor einer solchen Entscheidung.
Was würde es bedeuten, wenn das Parteien-Spektrum durch eine populistische Formation ergänzt würde, die sowohl links als auch rechts Stimmen von unzufriedenen und frustrierten Menschen einsammeln könnte? Deren Gemeinsamkeit wäre es, sich von der Mainstream-Politik und von den Mainstream-Medien nicht ausreichend beachtet zu fühlen. Es ginge um eine Szene, die sich den GRÜNEN und “woken” Themen des aktuellen intellektuellen Diskurses fremd fühlen und die eher an ihre wirtschaftlichen Alltagsprobleme denken und sich von den “Eliten” (“denen da oben”) systematisch ausgebeutet bzw. “verarscht” fühlen.
Eindeutig wäre zu erwarten, dass es ganz überwiegend Wähler der LINKEN und der AfD wären, die sich in einer solchen Partei finden würden; einige frustrierte UNIONs-Wähler kämen wohl dazu – sicher auch eine Menge bisheriger Nicht-Wähler. Die 5%-Hürde würde vermutlich schon im ersten Anlauf fallen.
Ohne Zweifel: Die AfD wäre deutlich geschwächt – wobei offen bliebe, ob es noch für 5% reichen würde, wenn eine weniger “rechte” Alternative zur Verfügung stände. Anders als Merz (der das ja mal versprochen hatte) wäre Wagenknecht vermutlich tatsächlich in der Lage, die AfD zu halbieren. (die LINKE wahrscheinlich auch).
Aber was wäre der Preis? Wir hätten es mit einer eindeutig populistischen, anti-grünen und anti-intellektuellen Partei zu tun, die das gesamte System ordentlich durcheinanderschütteln würde. Sie würde den Populismus aus der ganz rechten Ecke holen und damit “salonfähig” machen – also z.B. Koalitionen mit der UNION möglich machen. Was das alles langfristig bedeuten würde, ist kaum abzuschätzen. Sagen wir mal so: Wenn Wagenknecht die AfD dauerhaft aus den deutschen Parlamenten halten könnte, wäre das schon eine Überlegung wert…
Ich habe sie mir angehört – die Reden von Wagenknecht und Schwarzer auf der heutigen Kundgebung in Berlin. Es war schlimmer als befürchtet.
Grob gesagt lassen sich folgende Grundbotschaften zusammenfassen: 1) “Der Krieg ist schrecklich und es sollte sofort alles unternommen werden, um einen Waffenstillstand und Verhandlungen zu erreichen.” Darüber zu diskutieren erscheint mehr als sinnvoll; dafür zu kämpfen ist sicher legitim. 2) “Der Krieg ist im Grunde ein “Stellvertreter-Krieg” zwischen den USA (der NATO) und Russland. Der Westen hat das Ukrainische Volk in diesen Konflikt getrieben.” Das ist aus meiner Sicht und nach meinem Erkenntnisstand nicht haltbar. Diese Sicht degradiert die Ukraine zu einem bloßen Objekt und eigene Identität und Ziele. Hier wird Putins Sicht bestärkt. 3) “Beide Seiten sind in gleicher Weise der Kriegslogik verhaftet und verfolgen Maximalziele, die sowieso nicht erreichbar sind. Da am Ende ein Kompromiss stehen muss und wird, kann man diesen auch gleich ansteuern.” Da ist sicher etwas dran. Die permanente Gleichsetzung von Aggressor und Verteidiger ist allerdings mehr als ärgerlich – es hat eindeutig System und spielt Putin in die Hände. 4) “Unsere Bundesregierung betreibt eine verantwortungslose Kriegstreiberei, die dem Ukrainischen Volk schadet und die Gefahr eines (atomaren) Weltkrieges stark erhöht.” Diese pauschalen Vorwürfe werden dem politischen Geschehen des letzten Jahres in keiner Weise gerecht. Das ist pure Demagogie.
Die “verrückteste” Beobachtung des heutigen Tages war die Reaktion auf die – natürlich polemisch hochgekochte – Erwähnung von VertreterInnen der GRÜNEN. Da wird mit aller Systematik und Unerbittlichkeit an einem neuen Feindbild gebastelt: Auch Schwarzer erfreut sich daran, dass man nur den Namen “Baerbock ” nennen muss, um die Menge in Fahrt zu bekommen. Hier geht es nicht mehr um verschiedene Bemühungen um ein gemeinsames Ziel (Schutz für die Ukraine), hier wird ein politisches Süppchen gekocht! Eine Friedensbewegung gegen die GRÜNEN! Was für eine abstruse Entwicklung!
Natürlich ist es für unsere unmittelbare Zukunft entscheidend, wie der Krieg in der Ukraine weitergeht und wann er unter welchen Umständen beendet wird. Darüber wird überall diskutiert und spekuliert. Aber es geht um mehr!
In den letzten Monaten wurden und in den nächsten Monaten werden weltweit Entscheidungen gefällt, die die globale Entwicklung der nächsten Jahrzehnte nachhaltig prägen werden. Es werden unvorstellbare Summen und Ressourcen in Richtung Sicherheit, Militär und Aufrüstung gelenkt, die dringend für die Lösung existentieller Herausforderungen benötigt werden. Dabei werden in Wirtschaft und Politik Strukturen geschaffen, die weit über die aktuelle Situation hinausreichen: Haushaltsplanungen verändern sich, die Rüstungsindustrie baut massiv neue Kapazitäten auf, langfristige Kostenzusagen und Verträge werden unterschrieben. Hier geht es um die Perspektiven für das nächste Jahrzehnt.
Dazu mal ein Gedankenspiel: Stellen wir uns mal vor, im Herbst diesen Jahres fände in Russland ein Putsch statt und nach ein paar Monaten hätte sich eine stabile und verlässliche (friedliche) Neuausrichtung der russischen Politik ergeben. <br>Was würde mit all den Entscheidungen in Richtung “Aufrüstung” geschehen?<br>Gar nichts! Sie wären längst in Verträge gebunden und würden viele Jahre als Eigendynamik weiterwirken.
Damit will ich nicht sagen, dass dieser Weg falsch wäre bzw. es im Moment echte Alternativen gäbe. <br>Ich will nur meiner Sorge und meinem Entsetzen darüber Ausdruck verleihen, dass gerade echte und entscheidende Zukunftschancen für den ganzen Planeten vertan werden, weil ein Autokrat seine Träume von einem “Großen Russland” wahr werden lassen will.
Die große Fragen sind:<br>Können und wollen wir im Grenzen setzen und damit eine möglichst rasche Befriedung “erzwingen”? Oder kann es ein realistischer und nachhaltiger Weg sein, ihm auf dem Verhandlungsweg Zugeständnisse anzubieten?<br>Worin liegt das größere Risiko und wodurch lassen sich kurz- und langfristig mehr Leid vermeiden und die Chancen für einen Neubeginn erhöhen?
Sinnvoll erscheint mir auf jeden Fall der Versuch zu sein, Russland politisch und wirtschaftlich weiter zu isolieren. Das könnte irgendwann den inneren Druck erzeugen, den die russischen Eliten zu einer Distanzierung von Putin motivieren könnten. <br>Und hier könnte man durchaus locken: z.B. mit einem Stopp der Sanktionen und zukünftiger wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Und warum sollte ausgeschlossen werden, dass Auch China dabei eine Rolle übernimmt?<br>In diesem Sinne ist auch die heutige Reise von Scholz nach Indien vielleicht eine “Waffe”, die eben kein Blut vergießt und keine Eskalation hervorruft.
Ich war mein Leben lang nicht besonders interessiert am Verteidigungs-Ministerium. Um ehrlich zu sein: Es hat mich eher gefreut, wenn dort ein/e eher schwache Minister/in residiert hat – war das doch ein Garant dafür, dass möglichst wenig wertvolles Steuergeld in irgendwelche sinnlosen Rüstungsprojekte versenkt wurde. Nein – abschaffen wollte ich die Bundeswehr nicht, denn sie war ja wohl die Voraussetzung dafür, dass wir unter dem Schutz der NATO standen. Darauf wollte ich eigentlich nie wirklich verzichten.
Jetzt schauen wir auf ein Jahr Krieg in Europa zurück und so gut wie alles im Bereich der Verteidigungspolitik hat sich fundamental verändert. Es scheint so weit zu gehen, dass sogar militärferne Menschen wie ich ein echtes Interesse daran entwickelt haben, dass da jemand tätig ist, dem man diesen Job auch zutraut.
Was ich da gestern bei LANZ gesehen habe, hat mich tatsächlich überzeugt. Natürlich war es nur ein erster, oberflächlicher Eindruck: Der Mann ist gerade mal einen Monat im Amt. Aber sein Auftritt war klar und souverän. Er kommt glaubwürdig rüber.
Es wird sehr spannend sein, an diesem Beispiel mal zu verfolgen, we viel tatsächlich von einer Persönlichkeit abhängen kann – beim Umgang mit so einem riesigen Apparat. Ich neige da ein wenig zum Optimismus.
Vermutlich wird diese Personalentscheidung unseren Kanzler letztlich stärken. In diesem Zeiten hätte ich gerne eine starke Regierung – wer weiß, was die noch alles bewältigen muss in den nächsten Jahren.