“Mit Gott gegen die Demokratie” von Arnd HENZE

Bewertung: 4 von 5.

Arnd HENZE ist Fernsehjournalist, Publizist und evangelischer Theologe; das erfährt man mit einem Klick im Internet. Nachdem man dieses Buch gelesen hat, weiß man aus eigener Erfahrung, dass der Autor beeindruckende Detailkenntnisse über die rechts-konservativen religiösen Bewegungen in den USA anzubieten hat – sowohl im historischen Kontext, als auch brandaktuell.

Tatsächlich stellt der Text hinsichtlich seines Informationsumfangs und seiner Detailtiefe manch andere Publikation in den Schatten. HENZE ist mit den inneramerikanischen Verhältnissen rund um das fundamentalistische, stramm konservativ-nationalistische Christentum so vertraut, dass einen gelegentlich Zweifel beschleichen, ob man das alles wirklich so genau wissen will bzw. muss.

Der breite Ansatz des Autors bietet letztlich deutlich mehr, als der Titel ankündigt: Die Leserschaft erhält eine gründliche zeitgeschichtliche Analyse all der antidemokratischen, rassistischen und nationalistischen Bestrebungen, die im weitesten Sinne mit religiösen Strukturen verbunden waren und sind. Und wenn man so genau hinschaut, wie HENZE es tut, erkennt man schnell, dass es diese Angriffe auf die “älteste Demokratie” schon immer immer gab.
Auch wenn der Schwerpunkt der Darstellung auf der Trump-nahen MAGA-Bewegung, auf den aberwitzigen Vorstellungen der Technik-Gurus um Peter Thiel, auf den fundamentalistischen Visionen des Kriegsministers Pete Hegseth und auf den Ideen des spätbekehrten Katholiken Vizepräsidenten Vance liegt – HENZE zeigt die Vorgeschichte all dieser gefährlichen Ideen und Machenschaften.

Die Klarheit und Konsequenz, mit der der Autor diese Zusammenhänge und Strukturen analysiert und bewertet, ist auch deshalb besonders bemerkenswert, weil HENZE selbst ein Kirchenmann ist. So ist diese – in weiten Teilen sehr politische Betrachtung – letztlich auch eine Streitschrift um die Definition der christlichen Lehre und ihrer weltlichen Botschaft.
HENZE sieht sich eindeutig in der Tradition eines humanistischen, aufgeklärten und kämpferisch-sozialen Christentums im Sinne von Dietrich Bonhoeffer.
Die aggressive, nationalistische, rassistische, egoistische und spalterische Ausrichtung weiter Teile der Evangelikalen Bewegungen ist ihm zutiefst zuwider. Dabei wird HENZE nicht müde, die Verquickung mit finanziellen Interessen, Medienmacht und politischer Einflussnahme anzuprangern.
Spannend ist dabei auch der Blick auf die lange Geschichte der juristischen Grundsatzkämpfe rund um Bürgerrechte und (wissenschaftliche) Bildungsinhalte: Allein die Frage, ob und wie die Evolutionslehre in staatlichen Schulen gelehrt werden durfte, hat die Justiz über Jahrzehnte in Atem gehalten.

HENZE schließt sein Buch mit zwei sehr unterschiedlichen Szenarien ab, die sehr konkret die möglichen Folgen der diesjährigen (2026) Midterm-Wahlen skizzieren. Hier wird noch einmal plastisch deutlich, wie hoch der USA-Kenner die Gefahren einer demokratischen (Staats-)Krise im Jubiläumsjahr einschätzt.

Wer sich bisher eher wenig mit dem religiösen Rechtsextremismus in den USA beschäftig hat, wird nach dem Lesen dieses Buches in einer anderen Welt aufwachen. Die Gefahr hat nämlich keineswegs nur den Namen “Donald Trump”.
Allerdings muss man dafür bereit sein, sich wirklich auf die hier angebotene Detailebene einzulassen.

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