“Wenn der rechte Rand regiert” von Sally Lisa STARKEN

Bewertung: 4 von 5.

Ähnlich wie in ihrem letzten Buch (“Zu Besuch am rechten Rand“) liefert uns die engagierte Journalistin wieder eine gut lesbare Mischung von politischer Analyse und persönlicher Erfahrung.

STARKEN berichtet von drei Reisen in Länder, die bereits Erfahrungen mit der Übernahme von Regierungsmacht durch rechte bzw. rechtspopulistische Parteien haben: USA, Polen und Italien. Ihr Ziel ist es in einem ersten Schritt, gemeinsame Muster und Dynamiken aufzuspüren, die einem solchen Prozess vorausgehen, ihn begleiten, unterstützen und – im besten Falle – auch begrenzen oder gar umkehren könnten.
Das eigentliche Motiv für ihre journalistische Recherche findet sich aber in dem Bestreben, die gewonnenen Erkenntnisse für eine vorausschauende Verteidigung unserer Gesellschaft gegen einen Rechtsruck zu nutzen.
Dass dafür nicht nur eine hohe Wachsamkeit, sondern auch ein aktives solidarisches Tun notwendig ist – daran lässt die Autorin keinen Zweifel.

Es gelingt STARKEN mit Hilfe ihres flüssigen Schreistils und den persönlichen Bezügen gut, ihren drei politischen Ortsbesichtigungen fast den Charakter von Reisetagebüchern zu geben. Ihre Gespräche kommen mal durch private, mal durch berufliche Kontakte zustande; sie werden eingebettet in persönliche Eindrücke und Erlebnisse. Es geht um Atmosphäre, um Begegnung an Haustüren und in Gärten, jenseits von offiziellen Pressestatements oder aalglatten Politiker-Sprechblasen.
Auch wenn sich die Autorin – wie zu erwarten – am häufigsten im Kreise von gleichgesinnten Menschen und Initiativen bewegt, so gelingt ihr doch der ein oder andere intime Einblick in die Welt des “rechten Rands”.

Das Hauptanliegen des Buches liegt eindeutig in der Sammlung und Strukturierung von gesellschaftlichen Entwicklungen, die typisch für die – meist schleichende – Schwächung bzw. Einschränkung demokratischer Prozesse und Institutionen sind:
Dabei geht es u.a. um
– das Ausnutzen von Krisen und Verunsicherungen für das Schüren von Unzufriedenheit und Ängsten
– Angriffe auf etablierte Medien und Aufbau eigener Desinformationskanäle
– die Schwächung von Justiz und staatlichen Institutionen
– massive Abwertung politischer Gegner (auch in der Zivilgesellschaft)
– die Infragestellung oder Manipulation demokratischer Wahlabläufe
– die Eskalation gesellschaftlicher Konflikte in Richtung Gewalt.

STARKEN arbeitet sorgfältig heraus, in welchem Stadium sich diese Tendenzen jeweils befinden und in welcher Reihenfolge und Ausprägung sie sich zeigen.
Diese Analyse vollzieht sie nicht nur für die drei Beispielländer, sondern in großer Gründlichkeit auch für die Situation in unserem Lande. Denn für sie besteht kein Zweifel daran, dass von der AfD genau diese Ziele angestrebt werden – und dass es dafür bereits eine große Anzahl von Indizien gibt.

Da die Autorin sich mit den didaktischen Anforderungen eines journalistisch-orientierten Sachbuches gut auskennt, liefert sie an geeigneten Stellen immer wieder Orientierungspunkte und Zusammenfassungen.
Bei einem 300-Seiten-Buch schafft das Raum für die ein oder andere – manchmal vielleicht auch lästige – Redundanz. Andererseits sorgt STRAKEN so dafür, dass ihre Grundthesen ganz sicher einen Platz im Langzeitgedächtnis ihrer Leserschaft finden.

Auch in diesem Buch ist es nicht die Sache der Autorin, den in weiten Teilen der westlichen Welt zu beobachtenden Rechtsruck in einen Zusammenhang mit möglichen Fehlern bestimmter linker Bewegungen oder Positionierungen zu bringen. Selbstkritik – z.B. gegenüber der ein oder anderen “woken” Übertreibung – passt offenbar nicht in den Plan, die eigenen Kräfte der “progressiv-demokratischen” Zivilgesellschaft zu bündeln und zu aktivieren.
Das mag ja letztlich auch in Bezug auf die anvisierte Zielgruppe eine angemessene Methode sein. Man verzichtet dann aber eben auf die Anerkennung, die ein bestimmter Teil des Publikums für die ein oder andere Differenzierung schenken könnte.

Einen bemerkenswerten Pluspunkt sammelt die Publikation in den letzten zwei Kapiteln:
Zunächst setzt die Autorin den gängigen – eher eindimensionalen – Zukunftsprognosen eine differenzierte Perspektive auf 8 alternative Szenarien entgegen und schafft damit eine anregende Basis für Beobachtungen, Gedankenspiele und Strategien.
Im Schlusskapitel fährt STARKEN noch einmal alles auf, was sie für eine Mobilisierung der Demokratie-Verteidiger zusammengetragen hat. Sie will ermutigen, aufrütteln, appelieren.
STRAKEN will überzeugen, dass Gegenwehr sehr nötig, aber eben auch noch möglich ist.
Sie hat dieses Buch mit dem Ziel geschrieben, dass wir die Zeichen erkennen – uns aber nicht einem vermeintlich unaufhaltsamen Schicksal ergeben.
Alle, die für diesen Weckruf ein offenes Ohr haben – und mit der Materie nicht sowieso durch entsprechende Mediennutzung schon vertraut sind – finden hier eine empfehlenswerte, gut aufbereite Quelle.

Du möchtest das Buch kaufen?
Mach Amazon nicht noch reicher und probiere mal den “Sozialen Buchhandel”, der aus jeder Bestellung eine kleine gemeinnützige Spende macht.
Der Preis für dich ändert sich dadurch nicht; die Lieferung erfolgt prompt. Klicke einfach auf das Logo.
Oder unterstütze einen kleinen Buchladen vor Ort.

Kategorien-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert