
Warum schreibt ein öffentlicher Intellektueller in diesen Zeiten (2025) ein solches Buch (besser gesagt “ein Büchlein”, einen etwas längeren Essay)? Warum schreibt er Sachen auf, über die er – in anderer Reihenfolge und Formulierung – sicher schon unzählige Male gesprochen hat? Anders gefragt: Für wen tut er das?
Die Antwort müsste wohl lauten: Er tut es für sich! Er tut es, weil er es muss; weil er sonst das innere Gefühlschaos nicht aushalten könnte!
FRIEDMANN trägt in seinem Statement zur “Lage der Nation” so ziemlich alles zusammen, worüber sich nachdenkliche, wohlmeinende und menschenfreundliche Zeitgenossen angesichts der weltweiten Bedrohungen von Demokratie und Menschenrechten Sorgen machen. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht die Frage, warum der Mensch das alles zulässt, warum er nicht dazulernt, warum er sich nicht stärker seiner Vernunft bedient:
“Kann der Mensch nicht anders – oder will er nicht?”
Der Autor stellt diese (und ähnliche) Fragen hauptsächlich in einem historisch-politischen Kontext, mit kleinen Ausflügen in die Philosophie und Anthropologie. Seine Wertgrundlage ist ein aufgeklärter Humanismus, die Basis seiner Betrachtungen ist – wer wollte ihm das verdenken – der Zivilisationsbruch des Naziregimes: “Wie konnte, wie kann es passieren, dass nach diesen Menschheitsverbrechen jetzt in so vielen Teilen der Welt wieder (bzw. immer noch) um Menschenrechte und Demokratie gerungen werden muss?”
FRIEDMANN konfrontiert seine Leserschaft und sich selbst immer wieder mit der frustrierenden Tatsache, dass er keine befriedigende Antwort auf diese Fragen hat. Hier scheint dann die Verzweiflung durch, die im Untertitel benannt ist.
Und doch will er die andere Seite nicht aufgeben: Liebe und Hoffnung! Ein Glaube auf an die Potentiale des Menschen – und ein Kampf gegen Schicksalsergebenheit und Zynismus.
Der Autor lässt sein Publikum an dieser inneren gedanklichen und emotionalen Schlingerbewegung teilhaben – nicht mehr und nicht weniger. Dabei geht es nicht darum, neue oder besonders kreative Gedanken zu entwickeln. Um es ganz klar zu formulieren: Als halbwegs informierter Zeitgenosse erhält man in diesem Buch keine neuen Informationen.
FRIEDMANN liefert aber ein Gerüst bzw. hilfreiche Anknüpfungspunkte für eigene Empfindungen und Überlegungen.
Man sollte wissen, was man in diesem Buch nicht erwarten kann: Der Autor macht keinen Versuch, (natur)wissenschaftliche Erklärungen für das “So-Sein” des Menschen mit einzubeziehen. Es gibt keine Ausflüge in Evolutions-Biologie, (Sozial)Psychologie oder Neurowissenschaften. Der Mensch ist für FRIEDMANN (nur) ein historisch-kulturelles Wesen.
Sein Glaube an die (schier unbegrenzten) Möglichkeiten von “Freiheit” und “Autonomie” speisen sich aus philosophischen Denktraditionen und aus seiner Biografie bzw. Identität. Sie sind nicht durch Erkenntnisse geprägt (relativiert), die inzwischen durch die empirischen Humanwissenschaften zusammengetragen wurden: Der Glaube an die “Selbstbestimmung” des Menschen ist zwar selbst ein mächtiger Einflussfaktor – steht aber de facto in Konkurrenz zu zahllosen anderen prägenden Einflüssen, die außerhalb der Kontrolle des Einzelnen liegen.
So ist letztlich die Beschränkung des Sichtfeldes (mit) verantwortlich dafür, dass der Autor die ganz grundsätzlichen Antworten zum Gegenstand “Mensch” nicht findet.
Bleibt man jedoch in dem erwartbaren Rahmen, lässt sich diese – sowohl persönlich, als auch gesellschaftlich angelegte – Gegenwartsbetrachtung mit Gewinn lesen. Es gelingt FRIEDMANN, relevante Aspekt unserer sozialen und politischen Zustandsbildes zu einem Gesamtbild zu verbinden, in dem sich eine aufgeklärte und gemeinschaftsorientierte “Mitte” unserer Gesellschaft wiederfinden kann.
Vielleicht gelingt es dem Autor sogar, einen Teil seiner – aus Verzweiflung und Hoffnung gespeiste – Energie an seine Leserschaft weiterzugeben.
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