“Hoffnung für Verzweifelte” von Hannah RITCHIE

Bewertung: 3.5 von 5.

Dieses Buch einer englischen Wissenschaftlerin trägt den Original-Titel “Not the End of the World”. Genau das bringt wohl die Intension der Autorin auf den Punkt: Sie will in ihrem faktenreichen Werk – auf immerhin ca. 300 Textseiten – deutlich machen, dass wir nicht am (drohenden) Ende unserer Bemühungen stehen, unseren Planeten als lebenswerten Ort zu erhalten. Aus ihrer Sicht sind wir bereits mittendrin in diesem Prozess – und haben sogar einigen Anlass zum Optimismus.
An die Stelle des Mottos der Klimaaktivisten der “letzten Generation” setzt sie auf die “erste Generation”: Aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Ressourcen sieht sie eine realistische Chance, dass ihre Generation (der ca. 30jährigen) die Entwicklung zum Guten wenden könnte.

Nachdem sie in einer Einleitung ihren grundsätzlichen Ansatz (“gegen Weltuntergangsstimmung”) erläutert hat und auf die historischen Fortschritte in der zivilisatorischen Entwicklung hingewiesen hat (“die beste aller bisherigen Welten”), schaut sie sich 7 Einzelthemen genauer an: Luftverschmutzung, Klimawandel, Entwaldung, Ernährung, Artenvielfalt, Plastik, Überfischung.

RITCHIE legt dabei eine gewisse Lust am Provozieren an den Tag: Mit besonderem Elan stürzt sie sich auf vermeintliche Gewissheiten – insbesondere, wenn diese aus ihrer Sicht zu pessimistisch oder zwar “gut gemeint”, such aber letztlich nicht faktenkonform erweisen.
Die Autorin spart dabei nicht an empirischen Belegen für ihre Sichtweise, vermischt diese Sachinformation aber gerne auch mit persönlichen Prioritäten. So verblüfft z.B. die Eindeutigkeit, mit der RITCHIE das Problem der Überbevölkerung zur Seite wischt, weil in ihrer Rechnung eine angemessene Ernährung für ca. 10 Milliarden Menschen durchaus machbar wäre. (Als ob es nicht auch andere gute Gründe gäbe, das Bevölkerungswachstum zu begrenzen).

Durchgängig lässt sich folgende Argumentationslinie beobachten:
– Ein (Umwelt)Problem wird identifiziert und als real und bedeutsam bewertet.
– Es wird darauf hingewiesen, dass es zu einseitig, zu undifferenziert bzw. zu dramatisch dargestellt wird (und oft mit falschen Mitteln bekämpft wird).
– Dargestellt werden dann die bereits eingesetzten Lösungsstrategien und ihre (Teil)Erfolge.
– Es wird schließlich geschlussfolgert, dass gute Chancen beständen, das Problem auch nachhaltig und endgültig zu bewältigen.

Problematisch an dieser – schlüssig wirkenden – Kette ist der Umstand, dass es natürlich von bestimmten gesellschaftlichen Stimmungen, wirtschaftlichen Einflussnahmen und politischen Entscheidungen abhängt, ob bestimmte Ziele tatsächlich weiterverfolgt werden.. Darauf weist die Autorin zwar hin – übrig bleibt aber letztlich die Botschaft, dass schon alles gut werden wird.

RITCHIE trägt mit diesem Buch und den darin aufgeführten Fakten ganz sicher zu einer sachbezogenen Diskussion über die dringenden Nachhaltigkeits-Transformation unserer westlichen Gesellschaften bei. Dass sie dabei einige vermeintliche Selbstverständlichkeiten (z.B. “Bio ist immer gut”, “Kernkraft ist böse”) angreift, ist zwar manchmal irritierend, aber auch durchaus anregend – und gehört offensichtlich zu ihrem persönlichen Stil.
Trotzdem lassen einige Passagen an der Güte und Seriosität ihrer Aussagen ernsthafte Zweifel aufkommen: So bewertet sie die extreme Steigerung der Fischzucht in Aquakulturen – völlig unkritisch – als erfolgreiche und zukunftsweisende Maßnahme zur Sicherung des entsprechenden Bedarfs (unter Vermeidung der sonst drohenden “Überfischung)”. Die seit Jahren – nicht nur als Einzelfälle – nachgewiesenen extrem skandalösen Rahmenbedingungen (bzgl. Hygiene, Parasiten, Krankheiten, Medikamentenmissbrauch) führen in weiten Teilen zu einer geradezu kriminellen Vernachlässigung von Tierwohl und damit letztlich auch zu einer Qualitätsminderung für die Konsumenten.
Es bleibt zu hoffen, dass RITCHIE in anderen Bereichen nicht vergleichbare “blinde Flecken” hat.

Letztlich kann die Autorin mit Recht darauf verweisen, dass Zuversicht eher zu Engagement und Aktivität mobilisieren kann als hoffnungslose Verzweiflung angesichts eines drohenden Untergangs. Auch muss man ihr zugestehen, dass sie wiederholt auf die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen hinweist.
Trotzdem bleibt ein leises Gefühl übrig, dass sich RITCHIE die Gesamtlage doch ein wenig zu schönredet – vor allem, weil sie die mächtigen und finanzkräftigen Gegenspieler ganz aus ihren Betrachtungen herauslässt.
Und genau diese Gegenspieler sind zur Zeit (Frühjahr 2026) stärker als in den letzten 10 bis 20 Jahren.

Du möchtest das Buch kaufen?
Mach Amazon nicht noch reicher und probiere mal den “Sozialen Buchhandel”, der aus jeder Bestellung eine kleine gemeinnützige Spende macht.
Der Preis für dich ändert sich dadurch nicht; die Lieferung erfolgt prompt. Klicke einfach auf das Logo.
Oder unterstütze einen kleinen Buchladen vor Ort.

Kategorien-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert