“Eden” von Marc ELSBERG

Bewertung: 4 von 5.

Es gibt bestimmte Qualitätskriterien, die sich für die Beurteilung eines aktuellen – auf ein breites, schwerpunktmäßig jüngeres Publikum zielenden – Umwelt-Thrillers anbieten. Und es gibt andere, die eher abwegig erscheinen.

Fangen wir mit den unpassenden Faktoren an:
Ein solches Buch müsste sich nicht auf der Ebene seines literarischen Sprachstils hervortun. Es müsste sich keine Mühe geben, sattsam bekannte Handlungsmuster oder insgesamt das Zurückgreifen auf Klischees zu vermeiden. Und es gäbe keine Erwartung, die Hauptfiguren in Bezug auf ihren Charakter oder ihre Persönlichkeitsentwicklung besonders auszudifferenzieren, also z.B. Schwarz/Weiß-Zuschreibungen zu vermeiden.
Kritikpunkte in diesen Bereichen wären – selbst wenn sie gut begründet wären – für den Zweck und den Erfolg einer Publikation in diesem Segment unerheblich.
Also sparen wir uns diese Mühe…

Kommen wir zu den relevanten Maßstäben:
Hier würde sich ein “gelungener” Umwelt-Thriller darum bemühen, möglichst viele, gut recherchierte und aktuelle Informationen über Risiken und Hintergründe ökologischer Fehlentwicklungen zu vermitteln. Diese sollten in einen Handlungs- und Spannungsbogen eingebettet sein, der einen ausreichende, “Lesesog” entstehen lässt, die Leserschaft also bei der Stange hält. Dabei sollte diese Handlung von einigen Protagonisten getragen werden, die dem Zielpublikum ausreichende Identifikationsmöglichkeiten bieten und möglichst untereinander in “knisternden” Beziehungsdynamiken stecken. Diesen Figuren – die natürlich auf der “richtigen” (guten) Seite stehen – sollten möglichst ein paar Gegner haben, die eindeutig genug “böse” sind, um das Ringen mit ihnen auch emotional mitfühlen zu können.
Anzustreben wäre zuletzt noch, dass einige Nebenfiguren die Komplexität des Geschehens anreichern und dazu beitragen, dass außer dem Hauptthema (hier “Umwelt”) noch ein paar andere gesellschaftlich oder emotional bedeutsame Themen zur Sprache kommen.
Um es kurz zu sagen: All das leistet “Eden” ohne jeden Zweifel – und zwar auf einem hohen professionellem Niveau.

Schauen wir auf einige Details:
Der Erfolgsautor ELSBERG schöpft hinsichtlich der aufgegriffenen Aspekte wirklich aus dem Vollen: Es ist kaum eine halbwegs relevante Umweltbedrohung vorstellbar, die in dieser Story nicht in aufrüttelnder Weise thematisiert würde: Das beginnt bei Klima und Artenvielfalt – und ist bei Bodenerosion und Massentierhaltung noch lange nicht zu Ende.
Hervorzuheben ist: In einem bemerkenswerten Umfang befasst sich die Story mit den politischen, aber vor allem den wirtschaftlichen Interessen, die sowohl für das Entstehen der Probleme, als auch für die Reaktionen darauf verantwortlich sind. Hier spielen dann heimische Parteipolitik genauso eine Rolle wie international vernetzte Finanzhaie, die z.B. durch Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln aus jeder Krise skrupellos Profit ziehen.
Darüber hinaus erfahren wir eine Menge über die Gesetzmäßigkeiten der Social-Media-Welt: Denn der Kampf zwischen den beiden Welten findet fast ausschließlich online statt.

Die positiven Helden des Romans sind eine sympathische und engagierte junge Umwelt-Wissenschaftlerin und ein cooler Internetblogger, der sich – natürlich unter ihrem Einfluss – von einem konsumorientierten Lifestyle-Influencer zu einem einflussreichen Öko-Aktivisten mausert. Die beiden markieren eindeutig das Zielpublikum: jung, technik-affin, engagiert – aber eben auch zukunftsorientiert und lebensfroh.

ELSBERG bewegt sich mit der Menge und der Intensität der dargestellten Details ziemlich am Rand von dem, was in einem Unterhaltungs-Kontext als zumutbar empfunden werden könnte: Es werden am laufenden Bande komplexe Zusammenhänge und jede Menge konkrete Zahlen genannt (z.B. prognostizierte Wahrscheinlichkeiten drohender Entwicklungen), die der Leserschaft eine gewisse Toleranz und Ausdauer abverlangen.
Zum Ausgleich und zur Erholung bietet der Autor dann aber ein paar Seiten weiter wieder etwas “fürs Herz”…

Insgesamt ist es dem Bestseller-Autor hoch anzurechnen, dass er sich – ganz gegen den aktuellen Trend in Politik und Gesellschaft – in dieser Eindeutigkeit und Vehemenz dem Themakomplex Klima/Umwelt/Nachhaltigkeit widmet. Es wäre zu hoffen, dass sein Statement dazu beitragen kann, dass dieser existentiellen Menschheitsaufgabe endlich wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Dass er sich dabei besonders dem jüngeren Publikum zuwendet, ist ebenfalls sinnvoll und lobenswert; auch hier ist das Klimabewusstsein leider nicht mehr so weit verbreitet.
Es ist daher nur zu gut verständlich, dass ELSBERG alle Register zieht, um einen möglichst breiten “Mainstream-Geschmack” zu treffen.
Das kann er richtig gut!

Du möchtest das Buch kaufen?
Mach Amazon nicht noch reicher und probiere mal den “Sozialen Buchhandel”, der aus jeder Bestellung eine kleine gemeinnützige Spende macht.
Der Preis für dich ändert sich dadurch nicht; die Lieferung erfolgt prompt. Klicke einfach auf das Logo.
Oder unterstütze einen kleinen Buchladen vor Ort.

Kategorien-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert