
Es gibt sie, die Themen, die unangefochten im Mittelpunkt des aktuellen gesellschaftlichen Interesses stehen: Zu nennen wären da im Moment (Anfang 2026) die geopolitischen Veränderungen und Bedrohungen, die Frage der militärischen Macht, das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen, die wirtschaftlichen Herausforderungen und die Sicherung unserer Sozialsysteme. Dazu kommt das Mega-Thema “KI”, das unaufhaltsam in alle Lebensbereiche einsickert.
Ist das die Zeit, ein Buch über Musik zu schreiben und zu lesen?
Der bekannte SPIEGEL-Journalist Ullrich FICHTNER hat diese Fragen für sich – und seine potentiellen Leserschaft – mit “ja” beantwortet.
In einem Satz könnte man es so sagen: Die Breite und der Tiefgang dieser sprachgewaltigen Reise durch das schier grenzenlose Universum der Musik vermittelt ein bemerkenswertes Leseerlebnis, das wohl kaum einen Musikfan unberührt und unbefriedigt zurücklassen wird.
Tatsächlich ist es die unglaubliche Vielfalt der betrachteten musikalischen Facetten, die einem als erstes den Atem verschlägt. Angesichts seiner eigenen – meist eher begrenzten – geschmacklichen Schwerpunktsetzungen, erscheinen die Offenheit, die Zugangswege und das Detailwissen des Autors fast übermenschlich. Man fragt sich ernsthaft: “Kann ein einzelner Mensch das alles auf sich vereinen? Kann man gleichzeitig Freund von und Experte für so viele – offensichtlich unvereinbare – Musikstile, Genres, Traditionen sein?
FICHTERs Antwort könnte diese Gegenfrage sein: “Wieso ‘unvereinbar’?
Wenn es eine zentrale Botschaft in diesem Buch gibt, dann folgende: Es gibt nur das eine große Menschheits-Phänomen ‘Musik’, das zentral und unwiederbringlich in Biologie und Kultur des Menschen eingebrannt ist.
Vor diesem Hintergrund gibt es für FICHTNER keine ‘gute’ und keine ‘schlechte’, keine ‘niveauvolle’ oder ‘banale’ Musik. Im Zentrum seiner Aufmerksamkeit steht, was Musik mit dem Menschen macht, was sie für ihn bedeutet, welchen Funktionen sie dienen kann.
Der Autor weiß ohne Zweifel viel über Musiktheorie, über die Kulturgeschichte der Musik, über die wirtschaftlichen Verwertungsmechanismen. Er teilt dieses Wissen auch mit uns.
Aber seine zentrale Botschaft ist eine andere: Er will erreichen, dass wir diesem ‘Schatz’ die Aufmerksamkeit schenken, die ihm zukommt.
Zwar tun wir das auf bestimmten Ebenen: So ist Musikberieselung überall präsent, die wirtschaftliche Bedeutung ist in Zeiten, wo Tourneen der Weltstars erstmals Milliarden einspielen, unübersehbar.
Gleichzeitig aber – so redet FICHTNER uns immer wieder ins Gewissen – vernachlässigen wir aufs Sträflichste die Möglichkeiten, die der verstärkte Einsatz der Musik in den Bereichen Erziehung, Bildung, Psychohygiene, Gesundheitsprophylaxe, Therapie, Resozialisierung und Rehabilitation spielen könnte. So hält er es beispielsweise für skandalös, dass ausgerechnet in Zeiten des digitalen Overflows ein beträchtlicher Teil der schulischen Musikbildung schlicht dauerhaft ausfällt.
Natürlich belegt FICHTNER seine Thesen in diesem Bereich mit entsprechenden Untersuchungen bzw. Befunden.
Über so etwas extrem Sinnliches wie Musik zu schreiben, ist schon prinzipiell eine Herausforderung. FICHTNER ist auf diesem Gebiet wahrlich ein Virtuose! Dass er es schafft, die passenden Worte für extrem unterschiedliche Musikrichtungen zu finden, ist wirklich bewundernswert.
Der Autor lässt wohl keinen Musikliebhaber mit seinen Vorlieben am Wegrand stehen: So sitzt der Wagnerianer mit dem Deep Purple-Fan in einem Boot, und zusammen steuern sie zuerst zum Klassik-Festival und dann zum Welt-Musik-Treffen. Zwischendurch gehen sie alle zusammen ins Kino und erfreuen sich an der Disney-Gassenhauern für die ganze Familie.
Sehr gut funktioniert auch seine Idee, sich durch die Leserschaft zu verschiedenen typischen Schauplätzen von Musikveranstaltungen begleiten zu lassen. So reist man mit FICHTNER rund um die Welt: zum Jazz-Festival nach Montreux, in die elitäre Klassikwelt ins Schloss Elmau, zum ewig jungen Gitarrenlehrer der Nation nach Duisburg, zum Mahler-Festival nach Amsterdam.
Einer ist offenbar überall zu Hause: Ullrich FICHTNER – und seine Liebe zur Musik!
Um dieses Buch in vollem Umfang zu genießen, sollte man wohl zwei Voraussetzungen mitbringen: Irgendeine musikalische Leidenschaft (egal welche) und die Bereitschaft, sich auf ganze andere musikalische Welten zumindest für eine Kapitellänge einmal einzulassen.
Zugegebener Weise ist letzteres nicht immer ganz einfach: FICHTNERs sprachliche Kürübungen sind zwar ohne Zweifel beeindruckend; aber in dieser Detailtiefe seitenlang über musikalische Facetten informiert zu werden, die völlig außerhalb des eigenen Spektrums liegen, ist auch eine Herausforderung. Da darf man vielleicht ein paar Abschnitte auch mal überfliegen…
Haben Sie schon länger nicht über Musik nachgedacht, obwohl sie doch eigentlich Musik lieben? Dann könnten sie sich den Gefallen tun und dieses Buch lesen!
Du möchtest das Buch kaufen?
Mach Amazon nicht noch reicher und probiere mal den “Sozialen Buchhandel”, der aus jeder Bestellung eine kleine gemeinnützige Spende macht. Der Preis für dich ändert sich dadurch nicht; die Lieferung erfolgt prompt. Klicke einfach auf das Logo.
Oder unterstütze einen kleinen Buchladen vor Ort.

