“Happy Hirn” von Dr. Ben REIN

Bewertung: 4 von 5.

Gelegentlich trifft man auf Bücher, deren Titel so hohe Erwartungen wecken, dass man letztlich von einer Mogelpackung sprechen könnte. Hier liegt der umgekehrte Fall vor: Das platt und dümmlich wirkende “Happy Hirn” wird dem Charakter und Niveau des Buches nicht ansatzweise gerecht; der ergänzende Untertitel dann schon eher.
Wir haben es mit einem Sachbuch zu tun, dass zwar aus einer persönlichen Perspektive geschrieben wurde, aber von der Informationstiefe her eindeutig als wissenschaftlich fundiert betrachtet werden kann.

Der Autor, ein in Stanford ausgebildeter Neurowissenschaftlicher, betrachtet sozusagen die Beziehungsseite unseres Gehirns. Er zeigt uns, wie soziale Bedürfnisse, Gefühle und Verhaltensweisen auf neurologischer Ebene repräsentiert sind. Insbesondere will er vermitteln, wie eng die Ausgestaltung unserer Beziehungen mit grundlegenden Erfahrungen von Zufriedenheit und Glück zusammenhängt.
Dahinter steckt mehr als ein didaktisch kompetent umgesetzter Aufklärungswunsch: Dr. REIN geht mit dieser Schrift der persönlichen Mission nach, seine Leserschaft von der zentralen Bedeutung möglichst vieler und intensiver Sozialbeziehungen für die eigene Hirngesundheit zu überzeugen. Statt “Hirngesundheit” könnt man auch “Lebensqualität”, “Lebensglück” oder “psychisches und physisches Wohlbefinden” sagen.

REINs Ziel ist es eindeutig, sachkundige Information niederschwellig an ein interessiertes Publikum zu transportieren. Das gelingt ihm in weiten Strecken des Buches gut: Er ist didaktisch gut aufgestellt, bringt sich und seine Biografie ein, spricht seine Leserschaft direkt an und bietet alltagsbezogene Anregungen und Übungen.
Das ist alles lobenswert.

Gelegentlich übertreibt er es mit dem persönlichen Bezug allerdings ein wenig: So spiegelt die überraschend große Gewichtung des Themas “Psychoaktive Drogen” eher REINs eigenen Arbeitsschwerpunkt wider als die objektive Bedeutung dieses Aspekts für das Thema des Buches.
Noch ein wenig doller treibt es der Autor im Kapitel über segensreiche Rolle von Haustieren für die Hirngesundheit: Hier treibt ihn seine private Tierliebe zu einem Enthusiasmus, der nicht so recht zu einem seriösen Sachbuch passt.

Unterm Strich bietet “Happy Hirn” nicht nur einen gut lesbaren und inhaltlich fundierten Anlass, sich über die den sozialen Charakter unseres Gehirns gründlich zu informieren, sondern motiviert auch gleich eindringlich dazu, seine eigene Lebensführung in diese Richtung zu korrigieren.

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